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Alte Fotos erzählen 48: Tomatensuppe für Adenauer: Bewegende Geschichte des Hotels Celler Hof
Thema Alte Fotos erzählen 48: Tomatensuppe für Adenauer: Bewegende Geschichte des Hotels Celler Hof
17:14 24.01.2014
Von Christopher Menge
Anlässlich eines Staatsbesuches war der frühere - Bundeskanzler Konrad Adenauer (Dritter von links) - am 24. September 1958 im Celler Hof zu Gast und - ließ sich gemeinsam mit seiner Delegation - kulinarisch verwöhnen. Quelle: Eckehard Beyer
Celle Stadt

„Liebenswert wie diese Stadt, ist auch dieses Haus“, schrieb Kabarettist Jochen Busse in das Gästebuch des Celler Hofs. Im November diesen Jahres übernachtete er im Hotel auf der Stechbahn – wie schon viele Prominente vor ihm.

Wer an der Rezeption und der Treppe vorbei Richtung Saal geht, sieht ein Stück Geschichte des Hauses, das 1657 im Barock-Stil erbaut worden ist. In einem Bilderrahmen hängt der Tätigkeitsbericht von Hans Hitze (Jahrgang 1941). „Ich habe von 1958 bis 1959 im Celler Hof als Kellner gelernt“, erzählt Hitze. So wurde er Zeuge des Staatsbesuches von Bundeskanzler Konrad Adenauer am 24. September 1958. Nach einer Tomatensuppe als Vorspeise gab es für die Delegation Forelleblau, den Rehrücken „Diana“, Obstsalat und zum Abschluss Mocca. „In der Küche wurde das Essen von Vorkostern probiert“, erinnern sich Ruth Gehrke (1937) und Ingrid Klindworth (1938).

Gehrke gehörte nach Ende der Besatzung durch die Engländer zu den ersten Lehrlingen. Von 1945 bis 1954 hatte die britische Besatzungsmacht das Hotel als „Church of Scotland Canteen“ genutzt, ehe es an Oskar Heinicke junior zurückgegeben wurde. Dessen Vater hieß ebenfalls Oskar und hatte das Hotel seit 1916 zu einem führenden der Region gemacht. Während der Besatzungszeit soll auch die Queen im Celler Hof übernachtet haben. „Durch die Heinrich-Albertz-Iniative diente das Hotel unter der Bezeichnung Anglo-German-Fellowship Celle als Versammlungsraum, der sich zum gegenseitigen Verständnis – im christlichen Glauben – zusammenfand“, sagt Jürgen Lentzsch (1940), „die deutschen Teilnehmer kamen gern, denn es gab etwas zu essen.“

Neben Besuchen von Schauspielern wie Gerd Wendland oder Gerd Riethmann sowie der Geigerin Mona Baptist erinnert sich Gehrke, die von 1954 bis 1957 lernte und 1960/61 noch einmal zum Celler Hof kam, vor allem an einen Aal, der ihr Ärger einbrachte. „Ich sollte den lebenden Aal schlachten“, erzählt Gehrke, „dabei gehen mir bei Kriechtieren die Haare hoch.“ Der Aal drehte sich schließlich um Gehrkes Handgelenk, sie ließ ihn los und er fiel durch den Gulli. „Das wurde mir vom Gehalt abgezogen“, sagt Gehrke, die im ersten Jahr sechs, im zweiten zwölf und im dritten 18 Deutsche Mark pro Monat verdiente.

Außerdem erinnert sich Gehrke noch an einen Herrn Pipho, der immer mittags zum Essen kam. „Immer wenn er seinen Obstsalat fast aufgegessen hatte, beschwerte er sich, dass dieser nach Zwiebel schmecke“, sagt Gehrke lachend, „dann hat er immer einen neuen bekommen – aus der gleichen Schale.“ Klindworth sind unter anderem die „Dänenbusse“ in Erinnerung geblieben, die Touristen nach Celle brachten. „Silvester war außerdem die ganze Geschäftswelt da“, sagt Klindworth, die von 1955 bis 1958 als Köchin im Celler Hof ausgebildet wurde. „Im besten Hotel in Celle“ arbeitete auch der Vater von Eckehard Beyer (1931), der im Celler Hof von 1955 bis 1963 angestellt war.

Während des zweiten Weltkrieges von 1943 bis 1945 war Ursula Bußmann (1928) Kochlehrling. Ihre Ausbildung konnte sie aber nicht abschließen, da Bombenangriffe auf Celle geflogen wurde. „Als der Alarm kam, sind wir zum Bunker unterm Schloss gelaufen, doch da war schon alles voll“, erzählt Bußmann, „wir haben uns dann in der Mühlenstraße unter eine Kastanie gelegt und die Bombenflieger beobachtet. Nach dem Angriff sind sie zurück ins Hotel gelaufen und haben dort die Scherben der kaputten Scheiben weggefegt.

Bußmann beschreibt ihre Lehrzeit als „schön und schwer“ zugleich. Gegenüber des heute noch bestehenden Hintereingangs in der Runden Straßen haben die Lehrlinge des zweiten Lehrjahrs damals gewohnt. „Im Keller gab es außerdem eine Heißmangel“, erzählt Bußmann.

Hedi Welzin erinnert sich, dass der Film „ein Herz kehrt heim“ mit Willy Birgel, Ursula Herking und dem späteren Oscar-Preisträger Maximilian Schell in den 1950er Jahren in Celle gedreht wurde. „Die Film-Crew logierte im Celler Hof und wir Autogrammsammler warteten vor dem Hotel“, erinnert sich Welzin, „Birgel und Herking ließen sich nicht blicken, aber der damals noch unbekannte Schell erfüllte charmant unsere Wünsche. Das Autogramm hat einen Ehrenplatz.“

Heute leitet Ulrike Schulz den Celler Hof, dem Louis Bertram einst seinen Namen gab. Das älteste Bild, das im Saal hängt, ist von 1880. Schulz hat sich im Stadtarchiv und im Antiquariat Cellensia über die Geschichte des Hauses informiert. Dabei ist sie auch auf Ex-Beatle John Lennon gestoßen, der 1966 im Celler Hof eine Pressekonferenz gab. Zunächst musste die Hotelleiterin den Celler Hof aber wirtschaftlich wieder auf Vordermann bringen. Die Insolvenz ist überstanden und die Auftragsbücher sind wieder voll. Die Geschichte des Celler Hofs geht also weiter.