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Alte Fotos erzählen 50: Wo das Celler HBG seine Wurzeln hat
Thema Alte Fotos erzählen 50: Wo das Celler HBG seine Wurzeln hat
17:12 24.01.2014
Von Andreas Babel
Wo heute das Intercity-Hotel - am Nordwall Gäste beherbergt, - stand bis 1973 das - Hermann-Billung-Gymnasium. - Die Säule erinnert dort neben einer Tafel an die Lehranstalt. Quelle: Andreas Babel (2)
Celle Stadt

Heinrich Greife (Jahrgang 1927) aus Eschede hat 1944 sein Notabitur am Nordwall gemacht, wurde dann eingezogen. Der Escheder fuhr als Schüler mit der Bahn zum Hauptbahnhof und von dort ging es zu Fuß bis zur Altstadt. „Das habe ich sechs Jahre lang so gemacht, das war kein Problem“, sagt er. Beinahe wäre er von der Schule geflogen. „Im Chemieunterricht hat uns Dr. Wagemann erklärt, wie man Schwarzpulver herstellt. Ich habe mir in der Drogerie Zimmermann in der Bahnhofstraße Holzkohle, Salpeter und Schwefel gekauft, damit eine Wurstdose gefüllt, in die ich ein Loch reingebohrt habe, durch das ich eine Zündschnur gesteckt habe“, erzählt Greife. Sein Freund hat die Streichhölzer besorgt „und dann haben wir das am Eingang zu den Toiletten in Gang bekommen“.

Das hat den beiden Pennälern ein „Consilium abeundi“ eingebracht, also eine innerschulische Beratung der Lehrer, ob das Duo der Einrichtung zu verweisen wäre. Das „Sprengstoffattentat“ blieb folgenlos, „denn ein solches stand nicht im Schulgesetz – hätte ich ein Schießgerät verwendet, wäre ich geflogen“, sagt Greife und schmunzelt dazu.

Heinz Busse (Jahrgang 1928) berichtet von „Zucht und Ordnung“, die 1938 bis 1946 während seiner Schulzeit am Nordwall geherrscht hätten. „Erst jetzt bin ich drüber gestolpert, dass die Schule damals Städtische Oberschule für Jungen hieß, denn ich selbst habe mich immer als Oberrealschüler bezeichnet“, sagt Busse.

Rudolf Peterson (Jahrgang 1931) hat als Mittelschüler ab 1946 am Nordwall Unterricht gehabt. Auf dem Pausenhof hatten die britischen Streitkräfte defekte Jeeps abgestellt. Natürlich haben die Schüler sich dort öfter hineingesetzt und posiert. „Einer hat sich dann mal den Scherz erlaubt und hat einen Jeep kurzgeschlossen. Der erste Gang war eingelegt und das Auto sprang mit ihm die Böschung runter und stand mit den Vorderreifen im Stadtgraben“, erzählt Peterson. Der Rektor drohte dem Missetäter zwar den Rausschmiss an, aber da dem stabilen Gefährt nichts passiert war, durfte der Jugendliche weiterhin hier die Schulbank drücken.

Dietrich Miers (Jahrgang 1932) hat als Schüler der „Mittelschule am Heiligen Kreuz“ im Schulgebäude am Nordwall von 1945 bis 1948 Unterricht gehabt. „Nach dem Krieg sollten wir, um die Zeit bis zum Unterrichtsbeginn zu überbrücken, bei Bauer Wolkenhaar in Vorwerk Kartoffelkäfer sammeln“, sagt Miers. Gerne erinnert er sich an die Schulspeisung auf dem Pausenhof. Ehrenamtliche Frauen gaben süßliche Suppe aus, die ihm durchaus mundete.

Auch Hans-Joachim Böker (Jahrgang 1935) aus Eschede ist als Mittelschüler in dem Schulgebäude am Nordwall unterrichtet worden. „Wir waren zunächst 59 Schüler in unserer Klasse. Besonders gerne erinnert er sich an seinen Klassenlehrer Meyer-Hermann, der sowohl für die CZ als auch für die Hannoversche Presse Artikel verfasste. Die Manuskripte durfte Böker zu den jeweiligen Pressehäusern bringen. Und das obwohl dieser Lehrer Böker einmal eine Ohrfeige verpasste, nachdem sein Schüler eine Fensterscheibe zerbrochen hatte, die er als Schlagzeug zu einer populären Melodie benutzt hatte. 1950 zogen die Mittelschüler wieder in ihr angestammtes Gebäude am Heiligen Kreuz um.

Elisabeth Meyer (Jahrgang 1935) aus Huxahl hat ebenfalls die Mittelschule besucht und zwar von 1946 bis 1952. Sie genoss ihren Handarbeitsunterricht zeitweise im Keller der späteren Hermann-Billung-Schule. Sie meint, dass die Lehrerinnen allesamt „Fräuleins“ waren, da sie zum Zölibat verpflichtet gewesen seien. Diese Regelung galt in Westdeutschland tatsächlich bis 1951.

Auch der Winser Herbert Brockmann (Jahrgang 1936) hat die Mittelschule absolviert: Von 1948 bis 1955 drückte er zunächst am Nordwall und dann am Heiligen Kreuz die Schulbank. Er weiß noch, dass Unterrichtsräume in mehreren Baracken eingerichtet worden sind. In der kleinen Turnhalle, die von Ober- und Mittelschule gemeinsam genutzt wurde, waren genauso wie in der MTV-Sporthalle am Nordwall Sägespäne gestreut. „Die rochen irgendwie salzig, ob das wegen der Desinfektion war oder aus welchem Grund weiß ich nicht“, sagt Brockmann.

Premiere im Rahmen dieser Serie: Joachim Cohrs (Jahrgang 1941) singt am Telefon ein Lied vor: „Als ich das Foto am Sonnabend sah, fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren und ich erinnerte mich, wie wir damals sangen: ,Celle ist ’ne schöne Stadt, weil sie eine Schule hat, die Schule ist aus Lehm gebaut und wackelt, wenn der Lehrer haut.‘“

Dietmar Wedemeyer (Jahrgang 1944) hat die Oberschule ab 1953 besucht. Auch zu diesem Zeitpunkt standen dort noch Baracken. Der Pausenhof war in einen oberen und einen unteren Bereich geteilt. Den unteren erreichte man über eine Treppe, die quasi als Brücke über den Stadtgraben führte.

Wedemeyer erinnert noch viele Spitznamen seiner Lehrer. Dr. Reuter wurde Ali Tabs genannt. „Wenn er vom Kriege erzählte, auch von weit zurückliegenden Ereignissen wie der Schlacht von Kathargo, fing er an zu weinen, weil ihm das so nahe ging. Unserem Geschichtslehrer brachten wir die Schulhefte nicht ohne Hintergedanken zu ihm nach Hause an die Breite Straße“, erzählt Wedemeyer, denn auf dem langen Weg wurde natürlich die ein oder andere Korrektur vorgenommen. Einen Chemielehrer forderten die Schüler auf, seine Dias von der Jagd vorzuführen, wenn sie mal keine Lust auf uninteressante Versuche hatten. „Das kam öfter vor, dass er dann die Dias aus dem Klassenschrank herausräumte und den Diaprojektor anwarf“, so Wedemeyer.

Dirk Samson (Jahrgang 1946) hat die Hermann-Billung-Schule von 1957 bis 1965 besucht. Er erinnert sich daran, wie ein Mathelehrer die reellen Zahlen durch Bewegungen seines Körpers nach rechts und links sowie nach vorne und hinten darstellte, „da er nicht so viel sprechen wollte, weil er wohl die Nacht durchgefeiert hatte“, wie er sich zusammengereimt hat. Von einem Erdkundelehrer erinnert er, dass er die Schüler grundsätzlich in der dritten Person ansprach, also wenn er beispielsweise jemanden züchtigen wollte: „Komm er her und hole er sich eine Maulschelle ab!“ Derselbe Lehrer pflegte zu Beginn seiner Stunden ein Erdkundequiz durchzuführen. „Da er immer dieselben Fragen gestellt hat, sind mir einige Antworten hängen geblieben. Zum Beispiel weiß ich, dass sich in Ostdeutschland ein Schiffshebewerk in Niederfinow befindet“, sagt Samson.

Uwe Meißner (Jahrgang 1948) hatte gleich an seinem ersten Tag an der Hermann-Billung-Schule ein negatives Erlebnis: Er tauchte dort nämlich mit dem Hutband des Ernestinums an seiner Schülermütze auf, die er sich bei Hut-Höper am Großen Plan besorgt hatte. Als Meißner im Kunstunterricht zwei Murmeln aus dem Fenster warf, war seine Laufbahn am HBG beendet. Die eine traf nämlich Lotte und die andere den Dienstmann Otto Kempe. Der stoppte sein von Lotte gezogenes Fuhrwerk und Meißner wurde zum Rektor zitiert.

Burghard Höntsch (Jahrgang 1949) reiste von 1959 bis 1968 aus seinem Wohnort Höfer mit dem KVC-Bus an den Nordwall an. „Die letzten drei Jahre haben wir im dritten Stock hinter dem Giebel zugebracht. Dort mussten wir im Domizil der Schülermitverwaltung unterrichtet werden, weil nicht genügend Unterrichtsräume vorhanden waren“, sagt Höntsch. Zum Schluss waren noch 13 junge Männer in der Klasse, von denen sich zehn bis elf noch heute regelmäßig treffen. „Im letzten Jahr haben wir uns mit unserem alten Klassenlehrer, Herrn Schrader, zum 45. Mal getroffen“, freut sich Höntsch.

Dr. Joachim Gries (Jahrgang 1951) hat 1971 am Hermann-Billung-Gymnasium Abitur gemacht. Er kann mit Bestimmtheit sagen, dass von 1962 bis 1970 kein Mädchen das HBG besucht hat. „Die Mädchen für unser Stück Leonce und Lena von Georg Büchner haben wir vom KAV rekrutierten müssen“, sagt er, der damals den Leonce gab. Die Koedukation habe erst 1970 im neuen HBG im Neustädter Holz begonnen. „Die fünf bis sieben jungen Damen, die in die 11. Klasse quereinstiegen, waren heiß begehrt“, weiß er noch.

Gernot Kühn (Jahrgang 1954) wurde Ostern 1965 schon auf dem Hermann-Billung-Gymnasium eingeschult. „Auf meinem Halbjahreszeugnis ist bei Hermann-Billung-Schule das letzte Wort durchgestrichen und durch Gymnasium ersetzt worden“, berichtet Kühn: „Ich gehöre zu den wenigen, die behaupten können, dass sie ,Hurra, hurra, die Schule brennt‘ haben rufen können.“ Am 8. Januar 1970 hatten Schüler im Schulgebäude mit Silvesterknallern hantiert, worauf ein Feuer ausbrach. „Den Alarm wollte keiner so richtig ernst nehmen. Wir sind klassenweise auf dem Schulhof angetreten und als die Feuerwehr kam, wussten wir, dass es wirklich brennt“, erzählt Kühn.

Erika Bierschwale (Jahrgang 1932) hat zusammen mit ihrem Mann Emil von 1963 bis 1973 den Hausmeisterjob am Hermann-Billung-Gymnasium versehen. „In die neue Schule sind wir nicht mitgegangen, weil wir ein Haus an der Münchhausenstraße gebaut hatten“, sagt Bierschwale. Sie erinnert sich noch gut an den Brand: „Mein Mann hat sämtliche Feuerlöscher leergemacht und dann kam auch bald die Feuerwehr. Es war zwar kein großer Schaden, aber wir mussten alles wieder in 0rdnung bringen“, erzählt die 81-Jährige. Andreas Babel