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Alte Fotos erzählen 52: Landesfeuerwehrschule an der Biermannstraße
Thema Alte Fotos erzählen 52: Landesfeuerwehrschule an der Biermannstraße
17:47 24.01.2014
Von Andreas Babel
Niedersächsische Brandschutzschule an der heutgen Biermannstraße. Alte Postkarten aus Celle aus dem Antiquariat Cellensia von Justus Steinbömer. Quelle: Sammlung Justus Steinbömer
Celle

Walter Kaatz (Jahrgang 1927) kennt die Landesfeuerwehrschule an der Biermannstraße seit 1942, als er bei der Hitlerjugend Mitglied wurde. Vom 1. April 1942 bis Dezember 1945 war er zunächst bei der Feuerwehrbereitschaft der Landesfeuerwehrschule als Kradmelder tätig, was er schließlich unter den englischen Besatzern einige Monate lang als Vollzeitstelle ausübte.

Über seine aktive Feuerwehrzeit von 1942 bis 1948 hat der Adelheidsdorfer 146 Vorträge an Dienstagabenden während der Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule gehalten. Zunächst dauerten seine Vorträge drei Stunden lang, dann verknappte er sie auf die Hälfte, doch trotzdem ist er dafür schon längere Zeit nicht mehr gebucht worden. Er bietet diese Zeitzeugen-Berichte aber nach wie vor den Freiwilligen Feuerwehren im Kreisgebiet an.

Das einschneidendste Erlebnis als Kradmelder während des Krieges verbindet Kaatz mit der Rettung seines Vaters. Dieser sei nach der Bombardierung des Bahnhofsareals auf einer Treppe seines Wohnhauses an der durch dieses Bombardement ausradierten Marienstraße 24 Stunden lang verschüttet gewesen. „Meine Aktivität war, dass ich mit meinem Krad zur Luftschutzbefehlsstelle ins Schloss gefahren bin und die Bombardierung gemeldet habe. Das THW sollte meinen Vater rausholen, aber wegen weiterer Fliegeralarme hat sich das THW in den Luftschutzkeller auf dem Trüllergelände zurückgezogen. Ein Arbeitskollege meines Vaters ist bei ihm geblieben und hat mit dem losen Metallsägeblatt drei Eichenbohlen der Treppe durchsägt und meinen eingeklemmten Vater rausgeholt. Beide haben zusammen im Gaswerk gewohnt. Das waren ja Dienstwohnungen an der Marienstraße“, erzählt Kaatz.

Der Celler Heinz Bodenstab (Jahrgang 1927) ist seit 1942 Mitglied der Freiwilligen-Feuerwehr-Hauptwache. „Ich wurde von der Hitlerjugend an die Feuerwehrschule abkommandiert. Ich wollte eigentlich gar kein Feuerwehrmann werden, habe dann aber Blut geleckt“, sagt Bodenstab. Als Heranwachsender nahm er an Löscheinsätzen in Wolfsburg und Hannover teil. „In Hannover sind ja ganze Stadtteile abgebrannt. Ich erinnere mich an Einsätze an der Hildesheimer Straße, in der Flak-Kaserne in Bothfeld und in der Innenstadt. Die meisten Fliegerangriffe waren ja nachts. Mittags sind wir dann meist nach Hause aufgebrochen. Leichen haben wir auch geborgen“, so Bodenstab. Ob man auf sein jugendliches Alter Rücksicht genommen hat? „Nein, auch da musste ich ran. Da hilft ja nichts.“

Hanna Cornehl (Jahrgang 1930) hat von 1942 bis 1957 in einer Dienstwohnung der Landesfeuerwehrschule gelebt. Ihr Vater Harry Schmidt war dort Lehrer. „Wir haben in Haus Nummer 8 gelebt, das war ein Zweifamilienhaus. Die Schule belegte die Hausnummern 8 bis 16. Die Angestellten der Schule und die Lehrgangsteilnehmer mussten im Kriege bei Angriffen auf Hannover dort löschen und bergen. Da die Feuerwehrschule dann in gewisser Weise ohne Feuerwehrschutz war, wurden die Ehefrauen und Töchter der Angestellten an den Fahrzeugen ausgebildet. Wir wurden 1944 auch eingekleidet. Das war etwas Besonderes für uns. Wir haben das sehr engagiert gemacht und uns reingekniet“, sagt Cornehl.

Der Eicklinger Heinrich Schodder (Jahrgang 1931) war für die Feuerwehr Lehrte 1947 zum ersten Mal bei einem Grundlehrgang in Celle. „Wir wurden nach dem Lehrbuch von Heimberg und Fuchs unterrichtet. Fuchs war auch Lehrer an der Celler Landesfeuerwehrschule. Das war so ein Kleiner. Auf einmal liefen Mädchen durch den Schulungsraum und riefen ,Feuer, Feuer!‘. Was war passiert? Oben im Gebäude lagen die Zimmer der Dienstmädchen. Und weil das da so kalt war, hatten die Öfen da stehen. Und die Glut haben sie in die Löscheimer gepackt, die man im Krieg verwendet hatte. Da die aber aus Presspappe waren, hatte sich die Glut da durchgefressen. Der Schulleiter wollte das gleich mit einem B-Rohr löschen lassen, aber da hatten wir das schon gelöscht“, erzählt Schodder.

Rudolf Peterson (Jahrgang 1931) hat schon während des Krieges öfter zugeguckt, wenn die Feuerwehr dort übte und die Saugschläuche im Wasser hatte. Das war für uns Jungen schon interessant“, sagt er. Peterson weiß, dass die Landesfeuerwehrschule im April 1945 an eine britische Pioniereinheit übergeben wurde, die den Auftrag hatte, anstelle der von den deutschen Streitkräften gesprengten Allerbrücken Behelfsstege zu bauen. „Als erstes haben die mit Stützen die Eisenbahnbrücke in Ordnung gebracht, damit die Züge wieder fahren konnten. Anfangs haben die noch mit ,Gewehr über‘ gearbeitet, aber als die gemerkt haben, dass ihnen keine Gefahr droht, haben sie die Gewehre beiseite gelegt“, sagt Peterson.

Albert Michaelis (Jahrgang 1933), Berger Stadtbrandmeister von 1966 bis 1988, hat 1953 seinen ersten Lehrgang an der Biermannstraße besucht. Bei dem „Maschinistenlehrgang für schwere Löschfahrzeuge“ ging es „ziemlich zünftig“ und „militärisch“ zu. „Ich bin selbstbewusster durch diesen Lehrgang geworden, weil ich als 19-Jähriger bestanden habe, aber gestandene Schlossermeister die Fragen der Prüfer nicht beantworten konnten“, sagt Michaelis.

1956 fuhr er mit dem damaligen Stadtbrandmeister zur 25-Jahr-Feier der Feuerwehrschule. „Wir sind dann alle im Karree angetreten und der Landesbranddirektor Fritz Heimberg ist die Front abgeschritten. Ich sehe noch seinen stechenden Blick. Den vergesse ich nicht“, sagt Michaelis.

„Es war alles spartanisch dort. In einer Stube standen vier Etagenbetten. Vom oberen Bett rieselte der Staub aufs untere herab. Alle fünf Minuten fuhr ein Zug. Ich habe nicht geschlafen“, erzählt Michaelis. Besonders gerne erinnert er sich aber an die 10-Uhr-Pause, in der es eine gut gewürzte Maggi-Brühe gab. „Darauf haben wir uns nach der zweiten Stunde immer gefreut, denn das Frühstück war auch spartanisch“, so Michaelis.

Werner Mogge (Jahrgang 1935) nahm 1962 an einem Gruppenführerlehrgang für die Hambührener Feuerwehr teil. Er ist seit über 60 Jahren in der heimischen Wehr aktiv. „Das war damals noch sehr primitiv dort. Vormittags haben wir die Schulbank gedrückt, nachmittags an der Aller praktisch geübt“, sagt Mogge.

Jürgen Lambrecht (Jahrgang 1938) absolvierte im November 1963 einen Truppführerlehrgang an der Biermannstraße. Er erinnert sich daran, wie vier ältere Lehrgangsteilnehmer nach Hause geschickt wurden, weil sie nach dem Zapfenstreich um 22 Uhr noch nicht in den Unterkünften waren. Sie wurden vom Wachhabenden erwischt, wie sie sich durch ein Fenster im Hochparterre ins Gebäude schleichen wollten.

Der Göttinger Hans Gottschalk (Jahrgang 1939) erinnert sich gerne an seine Kurzlehrgänge in der Landesfeuerwehrschule zurück. „Es war dort sehr erbaulich, auch wenn die Unterbringung einfach war. Das, was wir gelernt haben, hat mir später in Berufsleben hin und wieder geholfen“, sagt der Mann, der 14 Kliniken in Sachen Betriebstechnik zu betreuen hatte.

Hänschen Röling (Jahrgang 1940) ist 1959 Feuerwehrmann geworden. Er hat mehrere Lehrgänge an der Biermannstraße erfolgreich absolviert. „Wir durften bei schlechter Witterung in der Übungshalle der Schule üben“, weiß er noch. Als Bäckermeister hat er die Einrichtung jahrelang mit Brot und Brötchen beliefert. „Aus beruflichen Gründen musste ich den Dienst bei der Celler Feuerwehr aufgeben. Das hat mir von Herzen wehgetan, da ich mit Leib und Seele Feuerwehrmann war“, sagt Röling.

Dieter Katschkowski (Jahrgang 43) absolvierte im September 1962 einen Maschinistenlehrgang in der Schule. Er berichtet davon, dass auch zu dieser Zeit noch „die Einsatzklamotten auf dem Flur hingen“. Sein Lehrgang sei ein „ganz lustiger Haufen“ gewesen.