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Alte Fotos erzählen 68: Über 400 Jahre Französischer Garten in Celle
Thema Alte Fotos erzählen 68: Über 400 Jahre Französischer Garten in Celle
03:04 07.08.2018
Von Andreas Babel
Postkarten von Herren Linke Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Die Torpfeiler an der Magnusstraße, die wir in einer alten Aufnahme am Sonnabend, 10. Mai, gezeigt haben, stehen hier schon seit 238 Jahren. Sie wurden vom Schloss Ricklingen dorthin umgesetzt. Acht Jahre später kam erst das Denkmal für Dänen-Königin Caroline Mathilde am anderen Ende des rund neun Hektar großen Parks hinzu. Dieses steht noch heute vor dem Gärtnerhaus aus dem Jahr 1611, das seit geraumer Zeit nur „Schlösschen“ genannt wird.

Der Park ist auch nach diesen Jahrhunderten immer noch ein beliebter Ort in Celle. Viele große Feste und Veranstaltungen finden hier statt, wie das große Sängerfest im Jahre 1905. In der jüngeren Vergangenheit lockten Kunsthandwerkermärkte, Flohmärkte, Public Viewing während Fußball-Weltmeisterschaften (in diesem Jahr dort leider nicht) und die Fete Francaise jeweils tausende Besucher an. Wir haben am vergangenen Sonnabend unsere Leser hingegen gefragt, was sie abseits der Massenveranstaltungen dort erlebt hatten und was sie mit dieser herrlichen Parkanlage verbinden.

Als kleiner Junge hat Robert Hagemann (Jahrgang 1938) miterlebt, wie sein gleichnamiger Vater als verantwortlicher Gärtner die Lindenallee pflanzte. „Das muss Ende der 1940er Jahre gewesen sein. Man hatte im Krieg ja Brennholz von den Bäumen gemacht. Die Neuanpflanzung geschah mit Augenmaß und Schrittmaß“, erzählt Hagemann. Zollstöcke und Maßbänder seien nach dem Krieg Mangelware gewesen. Armdick seien die kleinen Lindenbäume gewesen, erinnert sich Hagemann, der seine Kinder und Enkelkinder öfter durch diese Allee geführt hat. „Da denkt man gerne an die Eltern zurück, wenn man die Allee sieht“, sagt Hagemann.

Siegrid Lea (Jahrgang 1936) hat Anfang der 1950er Jahre im damaligen Café Kalmbach (einst dort gelegen, wo heute die große Rossmann-Filiale an der Westcellertorstraße ist) gearbeitet. „Wir hatten immer ein paar junge Engländer als Stammgäste. In Kneipen durften die ja ohne Weiteres nicht rein. Mit einem der Engländer, einem gut aussehenden Mann, bin ich ein- oder zweimal aus gewesen“, berichtet Siegrid Lea: „Einmal waren wir auch im Französischen Garten, da haben wir dann auf einer Parkbank gesessen und geschmust.“

Und dieser junge englische Soldat war kein Geringerer als der spätere Oscar-Preisträger Michael Caine (Jahrgang 1933), der von 1951 bis 1953 bei den Royal Fusiliers unter anderem in Iserlohn und offenbar auch in Celle stationiert war. Erst in der Rückschau reimte sich Siegrid Lea zusammen, mit wem sie da einige lauschige Stündchen in Celles Gassen und Gärten verbracht hatte. Caine hatte ihr zwar gesagt, dass er Schauspieler sei und einen „Tea with Sir Laurence Olivier“ eingenommen hatte, aber erst als sie viele Jahre später in einer Fernsehsendung aus seinem Munde hörte, dass er Anfang der 1950er Jahre in Norddeutschland stationiert war, wusste sie, dass es sich bei dem 1,88 Meter großen Schwerenöter um eben diesen späteren Weltstar gehandelt hatte, mit dem sie an den damals noch jungen Linden entlanggewandelt war. Sie erinnert sich, dass die britischen Soldaten mittels Trompeten zum Zapfenstreich in die Kasernen zurückgerufen wurden und so beendete der Klang des Blasinstruments auch einen schönen Abend im Französischen Garten.

Eine 1944 geborene Cellerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, war 1962 mit ihrem späteren Mann im Französischen Garten spazieren. „Es war so ein schöner Sommerabend, da haben wir uns wohl verzettelt. Und als wir so um 22 Uhr den Park verlasen wollten, war das Tor verschlossen – wie das so ist“, erzählt sie. Nun war guter Rat teuer. Da sie einen sehr engen Rock trug, der sie beim Unterfangen, über den Zaun zu klettern, über Gebühr behindert hätte, wollte sie sich des einengenden Kleidungsstücks gerade entledigen, als ein Obdachloser daher kam. „Der war nicht so sehr abgerissen und sagte uns, dass es da einen Spalt im Zaun gibt. Durch den konnten wir dann hindurchschlüpfen und ich konnte meinen Rock anbehalten. Wir haben dann den Französischen Garten gemieden und sind lieber an der Aller spazieren gegangen“, sagt die Frau, deren Ehemann schon verstorben ist.

Vor dieselbe Situation sah sich sechs Jahre später Werner Lange (Jahrgang 1947) gestellt: Als Wehrpflichtiger bei den Heeresfliegern in Wietzenbruch stationiert, nutzte er jede Gelegenheit der Abwechselung in der so nahen Stadt. „Im Café Lynen hatte ich ein nettes Mädchen kennen gelernt und wir schlenderten glückselig in den Französischen Garten, um in aller Ruhe die kostbare Zeit bis zum Zapfenstreich um 23 Uhr zu genießen. So gegen 22.30 Uhr wollten wir uns durch das abgebildete Westtor auf den Heimweg machen, aber oh Schreck, es war verschlossen“, sagt Lange. Das Schild mit den Öffnungszeiten war den beiden nicht aufgefallen. Für den 21-jährigen Soldaten war der Maschendrahtzaun kein Hindernis, aber für die Dame war es eine sportliche Übung, zumal noch im Sommerkleid.

Bärbel Schiewe (Jahrgang 1940) ist als Tochter des Hausmeisters im alten Ernestinum, Karl Oux (Jahrgang 1906), an der Magnusstraße aufgewachsen. Zum ersten Mal schnallte sie sich als Fünfjährige im Winter 1945/46 die Schlittschuhe unter die Stiefel und fuhr auf dem Magnusgraben und auf dem runden Teich im Französischen Garten. Obwohl man damals schon auf den Dammaschwiesen eislaufen konnte, war es auch in der Parkanlage nicht verboten. „Der Teich und der Graben waren öfter zugefroren. Keiner hat uns dort weggeschickt“, sagt Bärbel Schiewe. Auch im restlichen Jahr durften die Kinder im Park nach Herzenslust toben und spielen: „Wir sind kreuz und quer mit dem Fahrrad herumgefahren und niemand hat etwas dagegen gesagt“, erinnert sich die Frau, die bis Anfang der 1970er Jahre in dem Bereich lebte.

Ein ganz besonderes Erlebnis hatten knapp 40 Jahre später Gerd Keil (Jahrgang 1963) und Karin Wrede im Franzgarten. Für die Fernsehsendung „Nur die Liebe zählt“ von und mit Kai Pflaume wählten die Macher dieser Liebesshow 2009 den Celler Park als romantische Kulisse für ein Dankeschön der außergewöhnlichen Art. Der Wienhäuser wollte sich mit einem riesigen, schwebenden Herzen bei seiner damaligen Gefährtin bedanken. Sie hatte ihn aus einem tiefen Tal der Tränen herausgeholt. Die Sendung kann man sich auf seiner Homepage unter www.verratenundverkauft-online.de anschauen. Dort gibt es auch weitere Infos zu Gerd Keil und zu seinem Buch, in dem er in jüngster Zeit seine Lebens- und Leidensgeschichte in der DDR-Haft thematisiert hat.

Mit Kai Pflaume hat er „ab und zu“ schriftlichen Kontakt. Er sei ein „toller Mann, obwohl ich mich durch meine Biografie begründet sonst mit Männern schwer tue“, sagt Keil. Der Moderator, mit dem er den gesamten Drehtag verbracht hat, sei „noch sympathischer als er im Fernsehen rüberkommt“, meint Keil.