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Alte Fotos erzählen 75: Von Löwen und Bären in Celler Blumlage
Thema Alte Fotos erzählen 75: Von Löwen und Bären in Celler Blumlage
04:47 07.08.2018
Von Andreas Babel
Ehemals schwarzer Bär, oben mündet der heutige Herzog-ernst-Ring in die Blumlage (rechts ist die alte Molkerei i Bau, in der heute Eltrofa Deeke ist), ganz rechts ist die ecke des Blumläger Friedhofs noch drauf Quelle: Stadtarchiv Celle
Celle

Die Kastanienallee auf dem Allerdamm hat Dieter Reinebeck (Jahrgang 1936) auf dem alten Foto gleich erkannt, das wir am vergangenen Sonnabend veröffentlicht hatten. Heute haben die stattlichen Bäume zumindest an der Einmündung des „Herzog-Ernst-Rings“ in die Blumlage nur auf einer Seite überlebt, ehe sie im weiteren Verlauf wieder auf beiden Seiten des Weges stehen. Der Allerdamm selbst muss zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt worden sein, denn Reinebecks Mutter (Jahrgang 1903) berichtete ihm, dass dieser Deich in ihren Kindertagen noch nicht existierte. Es gab oft Hochwasser in der Blumlage, weiß Reinebeck, auch als es den Damm schon gab: „Es war sogar schon mal so, dass das Wasser über die Blumlage geflossen ist“, berichtet der heutige Altenceller.

In der Kleingartenkolonie „Hospitalwiesen“ besaßen seine Eltern Ende der 1940er Jahre einen Garten. „Das tiefer liegende Land musste erst einmal urbar gemacht werden. Dazu wurde die oberste Schicht, das Grasland, weggenommen und mit Asche oder irgend etwas, was man kriegen konnte, aufgefüllt, sodass man das Gelände um 20 bis 30 Zentimeter höher brachte. Dann erst konnte man darauf gärtnern“, erzählt Reinebeck. Die helle Fläche hinter der Anfang der 1950er Jahre im Bau befindlichen „Centralmolkerei“ war eine wilde Müllkippe, weiß der einstige Blumläger.

Im gastronomischen Betrieb „Zum Schwarzen Bären“ sei in den 1940er Jahren „schwer geschwoft“ worden, hat er als Junge gesehen, wenn im Sommer die Fenster offen standen. Als später dort ein Kino eingerichtet wurde, war er auch öfter zu Gast und sah sich vor allem die ersten Abenteuer- und Westernfilme aus den Vereinigten Staaten gerne an. „Mein großer Freund Shane“ aus dem Jahr 1953 ist ihm als Titel noch in Erinnerung.

Ein Onkel seiner Mutter war der Zirkusunternehmer Rudolf Althoff, der in seinem Haus in Wienhausen lebte, wenn er nicht auf Reisen war. Seine Wagen standen im Winterquartier am Ende der Blumlage, Ecke St.-Georgs-Garten. „Da gab es während des Krieges sogar einen Löwen, der im Käfig gehalten wurde. Das war für mich als Kind natürlich beeindruckend“, sagt Reinebeck.

In den 1960er Jahren hat man neben der Blumläger Kirche ein Fachwerkhaus abgerissen, in dem ein altes Spital untergebracht war. Aus dem Interesse von Celler Bürgern heraus, die sich damals vergeblich für den Erhalt des Gebäudes einsetzten, entwickelte sich der „Kulturkreis Fachwerk“, der sich auch heute noch für den Erhalt dieser für die Lüneburger Heide so typischen Häuser einsetzt.

Friedrich Rühmann (Jahrgang 1948) ist der Enkelsohn des gleichnamigen Gründers eines Getränke-Großhandels am Ende der Blumlage. Dieser hatte den Betrieb, dem meist zehn bis zwölf Mitarbeiter angehörten, nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, und dessen ebenfalls gleichnamiger Sohn hatte die Firma bis 1981 fortgeführt. Dann wurde das Grundstück verkauft und nach und nach mit Hochhäusern bebaut. In Kellerräumen hat der Getränke-Großhandel, den das gesamte Gebiet des Landkreises Celle versorgte, einen Tiefkühlraum gebaut, in dem Kunsteis gelagert wurde. „Das wurde in spezielle Fässer gelegt und kurz angetaut. In den Sommermonaten wurde es dann bei Schützenfesten, von Schlachtern, aber auch von Privatleuten zur Kühlung von Getränken eingesetzt“, sagt Rühmann.

Bis in die 1970er Jahre hinein haben Rühmanns auch Spirituosen wie Klare und Liköre selbst hergestellt. Auch Limonade wurde selbst hergestellt und abgefüllt. In den ersten Jahren lieferten die Brauereien Bier in großen Fässern und später in Rolltanks an, die Rühmanns mit einer eigenen Abfüllanlage in Flaschen umfüllten und an ihre Abnehmer weiterleiteten.

Der heutige Hohner An-dreas Tietge (Jahrgang 1958) ist an der Brunkhorststraße aufgewachsen. In den 1960er und 1970er Jahren hat er mit seinen Freunden auf dem Postgelände hinter dem „Schwarzen Bären“ viel gespielt. Dort waren Telefonleitungs-Masten und Kabeltrommeln gelagert und die Fahrzeuge des Postamtes abgestellt, das sich „ganz früher“ in der Blumlage befand.

Unter diesen Telegrafenmasten, die auf höheren Bolzen gelagert waren, buddelten die Jungs sich mit Schaufeln Gänge und Buden, in die ihnen kein Erwachsener folgen konnte. Das bewährte sich einmal auch ganz besonders: Die Clique hatte sich wieder einmal von hinten durch den Notausgang des Kinos „Gloria“ unberechtigt Zugang zu dem Lichttheater verschafft und in Ruhe einen Film angeschaut, als sie entdeckt wurde. „Die haben uns verfolgt, aber wir sind in unsere Gänge abgehauen. Das kostenlose Filmvergnügen war aber mit dem Entdeckt-Werden vorbei“, bedauert Tietge.

Ansonsten spielten die Jungs dort auch Cowboy und Indianer. Ein böser Streich ist ihm noch besonders in Erinnerung: Um an die Früchte von Opa Knorkes Kirschbaum zu kommen, fällten die Heranwachsenden kurzerhand den Obstbaum. „Das gab, wie das früher üblich war, ’ne Naht“, sagt Tietge und schmunzelt noch heute darüber.