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Alte Fotos erzählen 78: Wo angehende Landwirte in Celle einst lernten
Thema Alte Fotos erzählen 78: Wo angehende Landwirte in Celle einst lernten
04:57 07.08.2018
Von Andreas Babel
Postkarten von Herren Linke Quelle: Benjamin Westhoff
Celle-Altstadt

Der Kubus am heutigen Arno-Schmidt-Platz behielt seine Funktion: Das Albrecht-Thaer-Seminar, eine Lehrstätte für Landwirte, zog nahtlos ein und blieb dort bis zum Ende der 1970er Jahre. Von 1932 bis 1955 war hier zudem die sogenannte „Thekenbibliothek“ untergebracht. Die Besucher hatten damals keinen direkten Zugang zu den Büchern, sondern erhielten sie an einer Theke aus Händen der Bibliothekarin. Im Jahr 1956 veränderte man dieses Prinzip: Es entstand eine Freihandbibliothek, die seitdem ein fester Bestandteil im kulturellen Leben dieser Stadt ist. Heute ist die Stadtbibliothek schon viele Jahrzehnte lang einziger Nutzer dieses Baus „im Rundbogenstil, der sich stark an Paläste der toskanischen Frührenaissance anlehnt“, wie es in einer Begleitbroschüre zur Celler Architekurmeile von Dietrich Klatt heißt. Hier ist das repräsentative Gebäude die Nummer 1.

Merkwürdigerweise hat sich niemand, der das Thaer-Seminar besucht hat, bei der CZ gemeldet, nachdem am vergangenen Samstag die alte Lehranstalt in der CZ abgebildet war und wir Zeitzeugen aufgefordert hatten, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Einzig Rudolf Peterson (Jahrgang 1930) berichtet uns aus dem Innenleben des stattlichen Gebäudes.

Er wurde als Schüler der Städtischen Mittelschule am Heiligen Kreuz, die als Hilfslazarett anderweitig belegt war, im strengen Winter 1945/1946 einen oder eineinhalb Monate lang in der späteren Stadtbibliothek unterrichtet. „Ich erinner mich an unseren Lehrer ,Gemüse-Meier‘, den wir so nannten, weil er unter anderem Biologie unterrichtete und wir drei Lehrer namens Meier hatten“, erzählt Peterson. Da kein Heizmaterial vorhanden war, kamen die Kinder und Jugendlichen immer nur für eine oder zwei Schulstunden zusammen, um mit Hausaufgaben versorgt zu werden.

„Wir saßen dort mit Mänteln und Mützen bekleidet. Ich habe auch einmal mit Handschuhen bekleidet eine Klassenarbeit geschrieben. Wir waren 35 bis 40 Schüler in der Klasse. Es war so kalt im Klassenraum, dass die Scheiben durch die Atemluft von innen zufroren und man nicht mehr hinausschauen konnte“, sagt Peterson. In Celler Volksmund hießen das Albrecht-Thaer-Seminar „Stoppelgymnasium“ und dessen Schüler „Stoppelhopser“, erinnert sich Peterson.