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Alte Fotos erzählen 81: CZ-Leser erinnern sich an ehemaliges Firmengelände der Forstbaumschule Willi Emmerich in Celle
Thema Alte Fotos erzählen 81: CZ-Leser erinnern sich an ehemaliges Firmengelände der Forstbaumschule Willi Emmerich in Celle
13:14 07.05.2015
Von Christopher Menge
Der Blick auf das ehemalige Gelände der Forstbaumschule Willi Emmerich im Jahr 2014: Die Häuser im vorderen Bereich - früher Sämerei Hagemann, Pferdestall und Büro – stehen noch an der Hannoverschen Heerstraße. Dahinter hat sich fast alles verändert. Von Packschuppen, Feldern und Baracke ist nichts mehr geblieben. Quelle: Thomas Brandt
Celle Stadt

„In der Nacht zum Donnerstag ist der Packschuppen abgebrannt. Es ist alles verbrannt, nur zwei Pkws sind gerettet. Die Leute, die dort drin wohnten, sind alle so leidlich mit dem nackten Leben davon gekommen. Unsere Baracke ist wie durch ein Wunder stehen geblieben. (...) Mit einmal schreit Gerda los, es brennt und läuft auch gleich an die Hupe. Papa hat sich an unsre rausgeworfenen Sachen ran gemacht und immer weggeschafft bis Burgtorf hinten in der Ecke. Durch das tatkräftige Eingreifen der angrenzenden Bewohner und der Feuerwehr ist es möglich gewesen, es zu löschen. Nur zehn Minuten später und wir wären sicherlich alle mit verbrannt. Das arme Vieh ist alles mit verbrannt, es hat so gebrüllt, aber es konnte keiner mehr rein und retten.“ – diese Worte stammen von der Mutter von Fritz Rubow (Jahrgang 1938). In einem Brief hat sie ihrer auswärts lebenden Tochter vom Brand in der Nacht vom 4. auf den 5. Mai 1949 auf dem Gelände von Willi Emmerich berichtet. Fritz Rubow, der inzwischen seit 40 Jahren in Nürnberg lebt, hat ihn herausgesucht, als er in der Celleschen Zeitung vom vergangenen Samstag das Bild sah, welches das ehemalige Gelände der Forstbaumschule Willi Emmerich an der Hannoverschen Heerstraße zeigt.

Als Schuljunge hatte er von 1946 bis 1954 in der Baracke hinter der großen Halle, dem sogenannten Packschuppen gelebt. Nach dem Krieg war er mit seiner Familie aus Pommern nach Celle gekommen. „In dem Packschuppen wurden Pflanzen gezählt, gebündelt und in Packkörbe verpackt“, erzählt Fritz Rubow, „diese wurden dann in Last- oder Güterwagen verladen.“ Dafür gab es direkt neben der großen Halle Bahnschienen, die allerdings keinen Anschluss hatten. „Die jungen Pflanzen durften nicht umgepackt werden, daher wurden Güterwagen mit einem Tieflader gebracht und auf die Schienen gesetzt“, erklärt der Sohn eines Landwirtes, der bei Emmerich arbeitete. „Es gab damals 100 Beschäftigte, einige kamen auch aus dem Zuchthaus“, erinnert sich Fritz Rubow, „auf den Feldern rechts von der Halle durfte jeder Beschäftigte im Frühjahr auf einer Parzelle Obst anpflanzen – die Emmerichs waren sehr sozial eingestellt. Im Winter wurden auf dem Feld Pflanzen von den Außenfeldern eingeschlagen.“

In der Baracke hinter dem Packschuppen lebte auch Reinhard Rösler (1950). Seine Mutter Elsbeth Eichler arbeitete nach der Flucht aus der DDR 1955 in der Baumschule Emmerich in Adelheidsdorf sowie später in den Haushalten von Willis Söhnen Werner und Günther Emmerich. „Im Waschraum gab es kaltes Wasser“, erinnert sich der 64-Jährige, „gebadet wurde in einer Zinkwanne, erst Vater, dann Mutter und dann die Kinder. Das große Gebäude im Vordergrund ist die Sämerei Hagemann, und das Haus rechts im Vordergrund mit der kleinen Treppe war das Büro der Firma Emmerich und oben wohnte die Familie Langebach.“

Ihr Zuhause erkannte Jutta Emmerich-Seidlitz (1947), die heute im Oberharz lebt. „Das mittlere Gebäude – vorne im Bild – war der alte Pferdestall mit angrenzendem Wohnbereich unseres Kutschers. In dem Pferdestall waren nicht nur Ackerpferde untergebracht, sondern auch unsere Turnierpferde. Rechts vom Pferdestall war das Bürogebäude der Firma“, berichtet die Urenkelin von Willi Emmerich, „rechts von der Lagerhalle waren die Garagen mit angrenzenden Wohnungen für die Gastarbeiter aus Italien. Hinter der Lagerhalle stand noch ein schwarzes Gebäude, wo während des Krieges die polnischen Arbeiter gewohnt haben. Später war das auch ein Lagerschuppen. Ich habe als Schülerin sehr oft in der Baumschule gearbeitet, um in den Ferien mein Taschengeld aufzubessern. 1965 wurde die Firma an Rathe in Wietze verkauft.“

Auch der Reit- und Fahrverein Westercelle/Altencelle, von dem Herrmann Emmerich Vorsitzender war, hatte seine Pferde in dem Stall stehen. Daran erinnern sich Theo Krohnshage (1925) und Hans-Georg Lienau (1950), die dort in den 50er beziehungsweise 60er Jahren ritten. „Teilweise konnten wir auch auf dem Platz reiten, auf dem die Bäume fertig gemacht wurden“, erzählt Theo Krohnshage.

Der Großvater Rudolf Spannhof und der Vater Erich Spannhof von Monika Grumbrecht (1952) waren Betriebsleiter bei der Firma Emmerich. Ihr Grundstück in Adelheidsdorf grenzte an die Baumschule. „Jeder Förster bekam bei Anlieferung der Pflanzen einen Flachmann“, erzählt Monika Grumbrecht, dessen Stiefmutter Christa Schramm einst die Buchhaltung für Emmerich erledigte.

Das Feld schräg links hinter dem Packschuppen sowie das Haus (Bernstorffstraße 26) gehörte den Eltern von Reinhold Wilhelms (1948). Fritz Hagemann mietete das Feld teilweise für 20 Mark pro Jahr. „Wir haben mit den Emmerich-Kindern in den Weidekörben gespielt“, erinnert sich der heutige Ortsbürgermeister von Westercelle, „rechts ist der alte Hof Burgtorf (heute Wohnstudio Müller) zu sehen und gegenüber der Hof Heinecke.“ Wilhelms spielte auch in der großen Halle. „Wir sind in den Strohballen rumgetobt und sind auf die Haferhaufen gesprungen“, erzählt Wilhelms, „die Forstbaumschule Emmerich war unser Spielgelände.“