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Alte Fotos erzählen 82: Auf dem Polizeigelände stand einst eine Schule
Thema Alte Fotos erzählen 82: Auf dem Polizeigelände stand einst eine Schule
13:07 07.05.2015
Von Christopher Menge
Diese undatierte Federzeichnung aus dem Stadtarchiv Celle - zeigt das Haus an der Hannoverschen Straße 46. Quelle: Stadtarchiv Celle
Celle Stadt

Arnold Linke (Jahrgang 1930) schaute gleich im Adressbuch von 1930 nach. „Hannoversche Straße 46, Landwirtschaftliche Jacobi-Schule, Eigentümer: Landkreis Celle“, zitiert Arnold Linke, „die Schule lag zwischen Fuhse und dem jetzigen Eckgebäude der Polizei, früher Hannoversche Straße 47, dem Fiskus gehörig und bewohnt von Landstallmeister Korndorff.“ Das Gebäude rechts am Rande habe wohl zum Landgestüt gehört und musste ebenfalls der Polizei weichen.

Auch Margarete Lange (1942) stöberte in alten Adressbüchern. „1968 hat es das Gebäude noch gegeben“, sagt Margarete Lange, „ich kann mich allerdings nicht mehr daran erinnern, ob da noch Schulbetrieb drin war.“ In ihrer Kindheit habe sie die Witwe des ehemaligen Schuldirektors Andre Kontakt gehabt, dessen Sohn später Kinderarzt gewesen sei. Dem Celler Pastor Andreas Flick ist es zu verdanken, dass es über die Landwirtschaftliche Jacobi-Schule zu Celle, die am 2. November 1926 eingeweiht wurde, weiteres Wissen gibt. In einem „CZ-Sachsenspiegel“ hat er beschrieben, dass das 1970 abgerissene Anwesen „Hannoversche Straße 46“ verschiedenen Zwecken diente:

Eine lange Geschichte hatte das Anwesen an der Hannoverschen Straße 46, wo heute die neue Polizeiinspektion Celle steht. Die Geschichte des barocken Vorgängerbaus begann bereits im Jahr 1673. Schon in der Gründungszeit war es ein ansehnliches Gebäude, wie alte Quellen belegen. Im Jahr 1970 wurde es abgerissen.

Die Geschichte des Anwesens Hannoversche Straße 46 begann laut Theodor Sprenger im Jahr 1673. 1970 wurde es zusammen mit dem Nachbargebäude Nummer 47 (Landstallmeisterhaus) zugunsten der neuen Polizeiinspektion Celle abgebrochen. Bereits in der Gründungszeit war das Barockhaus mit seinen zwei Geschossen und zwölf Fächern Breite ein recht ansehnliches Gebäude. Der erste nachweisbare Hauseigentümer ist 1688 der Lohgerber Erich Reibenstein (Riebenstein). Die Reibensteins zählten zu den begüterten Kaufmannsfamilien in Celle.

Für das Jahr 1799 wird der Kaufmann Johann Sebastian Berber als Hausbesitzer angeführt. Er zahlte für das Anwesen die stolze Summe von 4050 Reichstalern. 1837 ging das gesamte Anwesen in das Eigentum des Assessors von Kannengießer über, um dann noch im selben Jahr in den Besitz der Kaufleute Georg Christian Bomann und Ludwig Lohmann zu gelangen, die auf dem Areal eine Wollgarnfabrik errichten ließen. Der zuerst genannte, der bald alleiniger Inhaber der „Georg-Christian-Bomann-Fabrik aller Arten wollener Garne“ wurde, ist der Vater des Museumsgründers Wilhelm Bomann, der mit seiner Familie eine Zeit lang in dem Gebäude Hannoversche Straße 46 lebte.

Ein weiterer prominenter Hausbewohner war der Arzt und Schriftsteller Dr. Carl Credé-Hoerder (1878-1954), der einige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg im Haus wohnte und auf dem Gelände eine elektrophysikalische Heilanstalt betrieb. Letzter Eigentümer des Anwesens war der Landkreis Celle. Der Gebäudekomplex beherbergte primär die „Jacobi-Schule“. Diese 1923 gegründete Landwirtschaftsschule hatte im Oktober 1926 das einstige Bomann-Haus bezogen und blieb dort bis zum Abrissjahr 1970. Sie verfügte über zwei Klassenräume, eine Aula, einen Chemie- und Physiksaal, ein Lehrer- und Direktorenzimmer sowie einige Lehrmittelräume. Zudem existierte dort als Außenstelle der Landwirtschaftskammer Hannover ferner eine Wirtschaftsberatungsstelle.