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Alte Fotos erzählen 83: Loren, Bulldog und Gattersägen
Thema Alte Fotos erzählen 83: Loren, Bulldog und Gattersägen
13:03 07.05.2015
Von Christopher Menge
Anhänger und Loren: Jeden Tag musste viel Holz transportiert werden. Von Celle aus fuhr ein Lastwagen nach Hamburg und Lübeck. Grubenholz wurde bis Anfang der 1960er Jahre ins Ruhrgebiet geliefert. Quelle: Sammlung Ludwig Brundiers
Celle Stadt

Den Geruch des Holzes hat sie noch heute in der Nase: Giesela Priewe (Jahrgang 1945) zog 1955 in das Haus an der Kronestraße/Ecke Windmühlenstraße, das auf dem Luftbild aus der Celleschen Zeitung vom 23. August ganz rechts unten zu sehen war. „Als Kinder sind wir gerne und oft über das Gelände des Holzhofes gestromert“, erzählt Giesela Priewe, „es war sehr spannend zwischen den hohen Holzstapeln zu laufen.“

„Bei dem abgebildeten Unternehmen handelt es sich um die Firma Lucas & Brundiers Dampfsägewerk, „sagt Wolf Dammeier (1948), „mein Vater, Heizungsbaumeister Heinrich Dammeier, war in den 1950er-Jahren am Bau des Gebäudes unten rechts beteiligt.“ Die Firma Lucas & Brundiers habe damals den größten Trecker in der Stadt – einen Lanz Bulldog – besessen. „Wenn die Polizei auf dem damals unbebauten und unbefestigten Börsenplatz Lastwagen kontrollierte, fuhren sich diese bei nassem Wetter des Öfteren fest. Die Polizei meldete sich dann bei Lucas & Brundiers, die dann ihren Lanz Bulldog schickten, der die LKWs laut tuckernd aus dem Schlamm zog“, erinnert sich Dammeier.

In dem Vorgänger des Hauses, an dessen Bau Heizungsbaumeister Dammeier beteiligt war, hatte Fritz Nussbeck (1932) von 1938 bis 1940 gewohnt. „Im April 1945 wurde es dann bombardiert und später wieder aufgebaut“, sagt Fritz Nussbeck, dessen Vater Karl und Onkel Albert Funke in dem Holzsägewerk arbeiteten. „Wir hatten viele Möglichkeiten zum Spielen und genossen auf dem Hof Narrenfreiheit“, erinnert sich Fritz Nussbeck. Der Garten von Hans Rote (1937) grenzte von der Elderhorststraße direkt an den Holzhof. „Wir sind immer über den Zaun geklettert, um auf dem Holzhof zu spielen“, erzählt Hans Rote, „dabei mussten wir uns nur vor den Hunden von Bernard Brundiers in Acht nehmen.“ Was ganz Besonderes war für den Jungen die Dampfmaschine, mit der das Sägewerk betrieben wurde.

„Die Jungs fanden es toll mit den Loren zu fahren“, erzählt Barbara Hillbring (1937), deren Vater Gattersäger in dem Werk war, „als mein Vater während des Zweiten Weltkriegs seine Einberufung bekam, hat der alte Hermann Lucas geweint, dass ihm auch noch sein letzter Arbeiter weggenommen werde – er wurde dann freigestellt.“ Bernard Brundiers und Hermann Lucas waren dagegen im Kriegseinsatz. „Die Russen, die in dem Sägewerk gearbeitet haben, waren oft zum Frühstück bei uns und haben den Bunker für uns gebaut“, ergänzt Barbara Hillbring.

Der Vater und der Onkel von Horst-Dieter Latomski (1953) transportierten Ende der 1950er/Anfang 1960er Jahre Langholz aus dem östlichen Raum Celle, Gifhorn und Uelzen mit Langholzwagen, Trecker und Unimog – Sattelzüge gab es noch nicht und Pferdegespanne kamen langsam aus der Mode. Ein paar Jahre zuvor – 1947/48 – kam Peter Lampe (1941) mit seiner Mutter mit einem Handwagen zum Holzhof, um Sägereste zum Heizen zu holen. „Der Platzmeister mochte meine Mutter wohl gut leiden – wir bekamen für 50 Pfennig den ganzen Handwagen voll“, erinnert sich Peter Lampe. Mit dem Handwagen über den damals noch vorhandenen Bahnübergang von der Denickestraße aus kam auch Bärbel Hahn (1934) zum Holzhof.

Sehr schöne Erinnerungen an seine Kindheit hat Ludwig Brundiers (1943), der Sohn von Bernard Brundiers. Sein Großvater, der ebenfalls Bernard Brundiers hieß, hatte die Firma Mitte der 1930er Jahre gegründet. „Als Kind habe ich fast nur auf dem Holzhof gespielt und als Schüler dann mitgearbeitet – ich kann mich an jede Maschine erinnern“, erzählt Ludwig Brundiers, der seit seinem Studium in Münster lebt. So war er auch nicht dabei, als das Holzwerk 1969 abbrannte. „Das Sägewerk war da aber schon nicht mehr in Betrieb“, erzählt Ludwig Brundiers, „in dem rechten Haus an der Windmühlenstraße war das Büro, daneben der Pferdestall und links mein Elternhaus.“ Die verschiedenen Gebäude erkannten unter anderem auch Jürgen Winter und Hänschen Röling (1940) wieder.

Letzterer war an den Löscharbeiten beteiligt und erinnert sich auch noch an Grete Bode, die über den Zaun Bier verkaufte. „Lucas und Brundiers waren gute Chefs“, sagt Hänschen Röling. Günter Schmidt (1931) arbeitete von 1950 bis 1960 in dem Sägewerk als Betriebsschlosser und Sägenschärfer. „Wenn die Dampfmaschine zum TÜV musste, wurde das Werk mit einem Acht-Zylinder-Schiffsdieselmotor betrieben“, sagt Günter Schmidt. Volker Schumann (1945) beobachtete oftmals die Pferdefuhrwerke, wenn sie in den Nachmittagsstunden mit den Hölzern zum Werk kamen. „Der Kutscher ging nebenher und hielt die Pferde am Zügel“, sagt Volker Schumann. Winfried Köhler (1930) erinnert sich daran, dass seine Eltern beim Bau eines neuen Eigenheims 1946 Holz von Lucas & Brundiers besorgten.

Margarete Eckert (1923) spielte gerne auf dem Holzhof und fuhr mit den Loren über die Schienen. An einem Tag beobachtete sie mal, wie ein Pferdegespann mit Langholzwagen die Einfahrt zur Fuhsestraße nicht schaffte und im Schaufenster eines Bekleidungsgeschäftes landete. Um 1960 arbeitete auch Hans-Herbert Encke (1943) im Holzwerk. „Wir waren Schüler am Gymnasium Ernestinum und waren gerade in die Ruderriege aufgenommen worden“, erzählt Hans-Herbert Encke, „einer von uns war Ludwig Brundiers. Bei seinem Vater haben wir in den Herbstferien gearbeitet und uns von dem Geld Riemen und Skulls gekauft.“