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Alte Fotos erzählen 92: Trommel-Prüfungen, Streiche im Sommerlager und Eis am Stiel
Thema Alte Fotos erzählen 92: Trommel-Prüfungen, Streiche im Sommerlager und Eis am Stiel
12:41 07.05.2015
Von Christopher Menge
Postkarten von Celle Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Als Helmut Meine (Jahrgang 1929) am vergangenen Samstag das Bild der CZ-Serie „Alte Fotos erzählen“ sah, erinnerte er sich sofort an seine Trommel-Prüfung während des Zweiten Weltkrieges im Celler Schloss. „Die Prüfung habe ich bestanden“, erzählt Helmut Meine, „aber in den Fanfarenzug wurde ich trotzdem nicht aufgenommen – die Trommel hing auf dem Boden, weil ich zu klein war.“ Die Räume im Celler Schloss hätten für ein wunderbares Echo der Trommeln gesorgt. Meine gehörte aber nicht zur Hitlerjugend, sondern zum Jungvolk.

Genauso wie Ottokar Schulze (1930): „Als Wittinger Junge habe ich in den Schulferien 1943 oder 44 als Angehöriger des Jungvolk-Fähnleins 18/380 an einem Sommerlager in der Jugendherberge im Celler Schloss teilgenommen“, erzählt Ottokar Schulze, „unsere Schlafräume befanden sich im südlichen Teil des Erdgeschosses im Trakt gegenüber der Eingangstore. Unter den Fenstern war damals eine waagerechte Eisenstange befestigt. Um nachts zur Toilette zu gelangen, stiegen wir aus einem der Fenster und balancierten auf der Stange entlang zur danebenliegenden Toilettentür.“

Er erinnert sich noch an einen Streich. „Wir jüngeren Pimpfe hatten davon erfahren, dass unsere Führer nach Dienstschluss Bier tranken. Einer aus unseren Reihen schaffte es, sich nachts die Schuhe unserer Führerschaft zu besorgen, die wir dann gebündelt am Fahnenmast gehisst haben.“

Während des Sommerlagers in Celle habe es Nacht für Nacht schwere Bombenangriffe auf Hannover gegeben. „Das führte dazu, dass wir die Nächte damals überwiegend im Luftschutzkeller des Schlosses verbringen mussten. Jeweils gegen Mitternacht stiegen wir – ohne Licht zu machen – in eine Wolldecke gehüllt in den dafür vorgesehenen Keller hinab.“

An den „dienstfreien“ Sonntagen eroberten Ottokar Schulze und seine Freunde die Celler Innenstadt. „Celle hatte damals noch eine Straßenbahn mit Endstationen am Bahnhof und in der Nähe des Eisgeschäfts Talamini am anderen Ende der Stadt“, erinnert sich Ottokar Schulze, „jedenfalls haben wir uns an diesem Eisladen orientiert. Talamini war ein Italiener, der schon damals Eis am Stil verkaufte, was wir Matsch am Paddel nannten.“

Erinnerungen an das Celler Schloss hat auch Walfred Höddels (Jahrgang 1927), der Vater von Christine Steffen aus Hohnhorst, die sich bei der CZ meldete. „Mein Vater hat dort mehrmals an Führerschulungen teilgenommen“, erzählt Christine Steffen. Er vermute, dass das Bild gegen Ende des Krieges aufgenommen wurde, da die Hitlerjungen verschiedene Uniformen anhaben. Normalerweise habe es für die Sommer- und Winteruniform jeweils einen Stichtag gegeben. „Vermutlich ging das Material aus“, sagte Christine Steffen.

Hänschen Röling (1940) hat sich auch mit dem Bild beschäftigt. „Mit älteren Freunden haben wir einige Namen gefunden“, sagt er. (me)