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Alte Fotos erzählen In Celle gibt es nur noch ein Haus im Haus
Thema Alte Fotos erzählen In Celle gibt es nur noch ein Haus im Haus
18:07 25.02.2014
Von Andreas Babel
Kreishandwerksmeister Hans Waack blickt auf den Höhepunkt seines Lebenswerks: - Die beiden nach ihm benannten Wohnblöcke an der Schackstraße 3, 3a sowie 4 und 4a. Hauswartin Petra Feldmann versucht, die beiden alten Kastanien zu erhalten. Quelle: Photo-Kino Margraf Celle
Celle-Neuenhäusen

NEUENHÄUSEN. Ein architektonisches Kleinod befindet sich versteckt in einem Baudenkmal, das sich in seiner ursprünglichen Form bis heute erhalten hat. Zumindest äußerlich. An der Schackstraße stehen zwei Wohnblöcke, die der ehemalige Kreishandwerksmeister Hans Waack zusammen mit dem berühmten Celler Architekten Otto Haesler 1928 bauen ließ. Die Blöcke an sich sind schon überaus sehenswert, strahlen trotz ihres hohen Alters noch immer die Faszination des Neuen Bauens aus.

Doch das ganz Besondere liegt im Verborgenen: im hinteren Teil des Wohnblockes 3/3a. Hier existiert noch die mittlerweile einzige zweigeschossige Wohnung innerhalb dieser Anlage. Früher bewohnte unter anderem der Anwalt Waldemar-Götz Goetze eine dieser Maisonette-Wohnungen. „Er hatte im oberen Teil sein Arbeitszimmer eingerichtet. Dort verbrachte er die meiste Zeit, denn er war ein sehr, sehr guter Jurist. Seine Frau musste dann hochrufen: ,Komm runter, es ist Besuch da‘, denn die repräsentativen Räume befanden sich unten in der Wohnung“, erzählt Haesler-Experte Dietrich Klatt.

So ähnlich, aber auch wirklich nur ähnlich, nutzt die vierköpfige Familie von Armin Scholz ihre rund 150 Quadratmeter große Wohnung. Seit zehn Jahren lebt das Ehepaar in diesen Wänden. Einst waren sämtliche Wohnungen in den beiden Blöcken zweigeschossig. Oben schlafen die Eheleute und haben die Kinder Konstantin (11) und Ingrid (5) ihre jeweils eigenen Reiche. Die Deckenhöhe im zweiten Obergeschoss beträgt 3,30 Meter, im Stockwerk darüber immerhin noch 2,80 Meter. In den drei großen, repräsentativen Räumen des unteren Geschosses werten eine Stuckumrandung zwischen Wand und Decke sowie der Holzdielenfußboden das Ambiente erheblich auf, oben ist Teppichboden verlegt.

Auch nach zehn Jahren in diesem denkmalgeschützten Haus ist die Familie von Klavierlehrer Armin Scholz immer noch begeistert von ihrem gemieteten Reich. „Morgens scheint die Sonne zum Frühstück durch die Küchenfenster hinein, am Nachmittag haben wir viel Sonne im Wohnbereich“, sagt Scholz. Die heiße Mittagssonne trifft lediglich die schmale nahezu fensterlose Seite des Blocks. So und durch die gute Lüftungsmöglichkeiten wird es in der Wohnung nie unerträglich heiß.

Besonders gelungen empfindet die Familie das Treppenhaus in der Wohnung. Der hölzerne Lauf gibt Sicherheit beim Erklimmen der Stufen. Ein riesiges Fenster verschafft dem Treppenhaus genügend natürliches Licht.

Neben Abstellkammer, Türen und Tür-Garnituren sind auch die großen gusseisernen Heizkörper noch im Originalzustand. Die Rohre verlaufen über Putz. Dabei geht natürlich jede Menge unterwegs verloren. Die Fenster sind indes modern.

Ein gutes Jahrzehnt hat Gertrud Goldammer (Jahrgang 1919), die Tochter des Baumeisters Waack, die Wohnblöcke verwaltet. Heute lebt sie wenige Meter davon entfernt im Haus der Familie ihrer Mutter. Mit dem Erwerb der Blöcke hat die Südheide eG ein schweres Erbe angetreten, denn die Substanz „wird nicht mehr heutigen Bedürfnissen gerecht“, weiß Haesler-Experte Dietrich Klatt, der mitbekommen hat, dass die Mieter beispielsweise über hohe Heizkosten klagen.

Die Südheide eG nimmt ihre Verantwortung für dieses Kulturgut ernst. Neben diesen Blöcken mit 27 Wohnungen gehören der Südheide die Haesler-Siedlungen St. Georgsgarten und Italienischer Garten. „Wir kooperieren mit der Bauhaus-Uni in Weimar, die ein Konzept für die Sanierung der Wohnblöcke erstellen will. Geplant ist auch die Rückführung in den Ursprungszustand, in dem alle Wohnungen zweigeschossig angelegt waren“, erläutert Südheide-Geschäftsführer Hartmut Kynast: „Haesler hatte hier ursprünglich eine Farbigkeit vorgesehen. Es gibt auch Fotos, auf denen bunte Fenster zu erkennen sind.“ Und Hauswartin Petra Feldmann hat Reste von roter Farbe an ihrem Badezimmer-Fenster festgestellt.

„Die Substanz ist hier zwar alt und ausbaufähig, aber in Ordnung. Die Balkone sind teilweise sanierungsbedürftig, die Treppenhäuser nur einfach verglast. Wir sind bemüht, die Wohnungen bei Mieterwechsel nach und nach zu sanieren, vor allem im Bereich der Elektrik“, erläutert Kynast. Das größte Problem ist die energetische Sanierung. Dass die Heizungsrohre über dem Putz verlegt sind, ist derzeit eher ein Vorteil, da Schränke nicht direkt an die Wände gestellt werden können und sich so kein Schimmel bilden kann. Alle Sanierungsschritte in dieser Anlage müssen mit dem städtischen Denkmalschutz abgesprochen werden.

Bewahrt geblieben sind die Haken in den großen Gemeinschaftsräumen, in denen Fahrräder aufgehängt werden können und die dazu gehörenden Ketten, mit denen man sie anschließen kann. Es gibt noch Original-Briefkästen, einen unterirdischen Verbindungsgang zwischen den Blöcken mit Lüftungsschächten und die beiden prächtigen Kastanien, um die sich die Hauswartin und ihr Mann liebevoll kümmern. Vieles sieht hier heute noch annähernd so aus wie vor über 80 Jahren.