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Celle blüht auf Celler Schwung fürs ganze Land
Thema Celle blüht auf Celler Schwung fürs ganze Land
Celle blüht auf
18:37 28.08.2018
Hier summt, flattert und krabbelt es überall: (von links) Olaf Lies, CZ-Redakteur Michael Ende und CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber beobachten das Leben im „Celle blüht auf“-Beet im Schlosspark. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

„Das blüht ja prima – und das trotz der Trockenheit. Habt ihr die Blumen immer gegossen, damit sich Bienen und Schmetterlinge freuen?“ Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) ist in die Hocke gegangen, um sich besser mit Justus und Leon über ihr Wildblumenbeet unterhalten zu können. Die beiden zweijährigen Knirpse nicken. Die Mini-Wiese haben sie zusammen mit den anderen Kindern im „Zwergenland“, der Kindertagespflegeeinrichtung des Allgemeinen Krankenhauses Celle, angelegt. Was die „Zwerge“ hier im Rahmen der CZ-Aktion „Celle blüht auf“ trieben, sei ganz groß, sagt Lies: „So lernen schon die Kleinsten, dass jeder etwas für den Artenschutz tun kann.“

Lies, der die Schirmherrschaft über „Celle blüht auf“ übernommen hat, war extra von der Leine an die Aller gekommen, um sich ein Bild von der Aktion zu machen. Als er die Wildblumen-Fläche vor dem Schloss sah, zeigte er sich wie im „Zwergenland“ erfreut darüber, wie man mit verhältnismäßig kleinem Aufwand Großes bewirken kann: „Diese natürliche Blütenpracht mitten im Park ist auch ein Symbol dafür, wie einfach es ist, etwas für den Artenschutz zu tun, und dass die Aktion in Celles Mitte angekommen ist. Es macht echt Spaß, so etwas zu sehen.“

Den Schwung, den er in Celle spüre, wolle er auch für seine Arbeit auf Landesebene mitnehmen, so Lies. Denn er nehme das Artensterben sehr ernst und wolle handeln – nicht nur darüber reden: „Da wir keine Zeit verlieren dürfen, habe ich veranlasst, innerhalb von zwölf Monaten ein Aktionsprogramm gegen das Insektensterben zu erarbeiten, damit wir in guter Abstimmung mit dem Bund und den anderen Bundesländern die richtigen Maßnahmen und Programme entwickeln, um effektiv und nachhaltig gegen das Insektensterben vorzugehen.“ Ziel sei der Erhalt und vor allem die Verbesserung der biologischen Vielfalt in allen Landschaften.

„Die heutige Lage zwingt uns zum sofortigen Handeln. Die nachgewiesenen Rückgänge sind derart groß, dass wir hier nicht länger zuwarten können“, so Lies, der begrüßt, dass in Celle bereits gehandelt wird: „Derzeit wird in meinem Ministerium ein Aktionsprogramm für den Erhalt und Förderung der Insektenvielfalt erarbeitet, in dessen Rahmen wir auch positive Beispiele für die Gestaltung insektenfreundlicher Flächen vorstellen werden. Celle ist voll von Beispielen dieser Art.“ Deshalb denkt Lies auch daran, sein landesweites Aktionsprogramm im April oder Mai 2019 in Celle vorzustellen: „Das würde passen.“

Bis 2017 war Lies Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister: „Die neue Celler B3 hätte ich schon gerne zu Ende gebaut“, sagt er. Als Umweltminister sehe er Dinge aus einer neuen Perspektive: „Bei der Celler Ostumgehung sind in der Vergangenheit Fehler gemacht worden – zum Beispiel der, dass die Aspekte des Artenschutzes nicht ernst genug genommen wurden.“ Da der Artenschutz bei den neuen Planungen ganz groß geschrieben werde, hoffe er auf einen baldigen Weiterbau der B3 mit der umstrittenen Allerbrücke.

„Auch heute sehe ich mich als Brückenbauer“, so Lies: „Wir müssen Kompromisse zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichen Belangen finden. Da ist ein faires und konstruktives Miteinander aller Akteure wichtig. Umwelt- und Artenschutz heißt nicht Verzicht, sondern ist ein Gewinn für alle.“ In Celle werde das jetzt vorgelebt, sagt Lies: Die neue B3 werde kommen, und dennoch seien die Celler in Sachen Artenschutz Vorreiter im Land.

Von Michael Ende