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Celle blüht auf Ein Herbst-Blütenfest für Mensch und Insekt
Thema Celle blüht auf Ein Herbst-Blütenfest für Mensch und Insekt
Celle blüht auf
15:40 21.09.2018
Die Auswahl an insektenfreundlichen Gehölzen Stauden und Gehölzen ist überaus groß, Bartblume und offenschalige Rosen sind beliebte Landeplätze für Biene und Co. Quelle: Anke Schlicht
Celle

Wenn der Wind auf den Äckern nichts mehr sanft wiegen kann, stattdessen über Stoppelfelder weht, die Blätter an den Bäumen ihm nachgeben und zu Boden schweben, dann verabschiedet sich leise der Sommer, und der Herbst hält Einzug. In den Blumengeschäften und an den Eingängen der Supermärkte dominieren Chrysanthemen in bunter Fülle, die Balkone und Terrassen schmücken sich noch mit den Begleitern des Sommers, so schnell geben die Geranien nicht auf. Die kugelige, violette, weiße und gelbe Pracht kündet von der neuen Jahreszeit, die rosa, weißen und roten Klassiker trotzen dem Gold des Septembers und Oktobers. Beide Repräsentanten ihrer Art eint nicht nur die Freude, die ihr Anblick bereitet, sondern auch die Eigenschaft, dass sie für Insekten wertlos sind. Diese benötigen jedoch Unterstützung, denn aufgrund vielfältiger Ursachen geht ihr Bestand zurück. Private Gärten können helfen – zusammen genommen ist ihre Fläche enorm –, die sich zunehmend eintönig entwickelnde Landschaft mit nachlassendem Angebot für die kleinen Lebewesen zu kompensieren. Sowohl Chrysanthemen als auch Geranien werden sich dennoch weiter behaupten, denn, erlaubt ist, was gefällt. Und die Auswahl an Stauden und Gehölzen – lässt man die Topfpflanzen einmal außer Acht –, die beide Kriterien erfüllen, nämlich Gärten zu zieren und gleichzeitig den Honigbienen und ihren wilden Verwandten Nahrung zu bieten, ist überaus groß.

Insektenfreundliche Pflanzen

„Es gibt noch so viel mehr“, kommentiert Baumschulgärtnerin Jasmin Möller-Boldt die vom Naturschutzbund herausgegebene Liste insektenfreundlicher Pflanzen für ein Staudenbeet. Um diese soll es beim Rundgang über die Ausstellungsfläche gehen, aber die Fachfrau sprengt schnell den Rahmen: „Blau ist so selten in der Natur“, sagt sie und bleibt vor einer Bartblume, die zu den Sträuchern gehört, just in dem Moment stehen, als eine Biene auf einer leuchtend blauen Blüte Platz nimmt. Womit lockt sie, während um andere ein großer Bogen geflogen wird? Dem Inneren ihrer Blüte haften Nektar und Pollen an. Auf der Suche nach dem süßen Nektar fliegen Bienen und andere Insekten die Blüte an, ihr Staub (Pollen) bleibt kleben und wird weitergetragen auf die Narbe einer anderen Blüte. Nur so können Samen entstehen und Pflanzen sich vermehren. Dieser Vorgang der Bestäubung macht Bienen, Hummeln, Wespen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und Käfer so wichtig für unsere Umwelt. „Hummeln mögen Blütenkelche, in die sie hineinkriechen können“, erläutert Jasmin Möller-Boldt, während sie eine Auswahl an Stauden präsentiert. Der „Schlangenkopf“ hält den süßen Nektartropfen am Grund des Blütenkelches bereit, die Hummel entzieht sich dem Blick des Betrachters, während der „Sonnenhut“ kein Verbergen möglich macht, wie ein Hut bedecken die Staubgefäße die Blüte.

Trend zu mehr Naturnähe

„Viele Pflanzen sind steril“, sagt die Expertin, und ihre Kollegin Helga Schuller hat das Beispiel einer Edelrose parat: „Auf so eine dicht gefüllte Blüte wurden Rosen jahrzehntelang gezüchtet, das gefiel den Gartenliebhabern. Insekten hatten da keine Chance mehr.“ Viele edle, üppige Blätterwerke sind zu bestaunen, aber daneben finden sich auch sehr viele offenschalige Rosensorten. „Da kommt die Biene ran. Die Züchtungen gehen jetzt wieder in diese Richtung“. Seit etwa zwei Jahren sei eine klare Tendenz hin zu mehr Naturnähe erkennbar. „Unsere Kunden fragen nach insektenfreundlichen Pflanzen“, berichtet Jasmin Möller-Boldt.

Kaum ein Meter Wegstrecke wird zurückgelegt, ohne dass beide Fachfrauen ihre Leidenschaft fürs Gärtnern nicht unter Beweis stellten, sei es durch Kommentare zu Steingärten in Neubaugebieten oder aber Hinweise auf „schöne Insektenpflanzen“. Helga Schuller nimmt einen kleinen Topf von der Palette, der nicht ins Auge fällt: „Manche Exemplare sind unscheinbar und dennoch Favoriten bei den fliegenden kleinen Lebewesen“, erläutert Schuller den Steinquendel. Er ist ein heimischer Vertreter, was für Wildbienen von Bedeutung ist, weil sie sich auf heimische Pflanzen spezialisiert haben. Generell spielt die Herkunft jedoch keine Rolle bei der Insektenfreundlichkeit. Sonnenhut, Astern, Duft- und Indianernesseln – sie alle stammen aus Nordamerika und werden von Bienen gerne besucht.

Kaum eine Blume verkörpert den Herbst so sehr wie die Aster, die in Hunderten von Sorten erhältlich ist. Vom Spätsommer an verringert sich das Angebot der heimischen Natur, Astern, Sonnenhut, Duftnesseln, Wiesen-Flockenblume, Wilde Malven, Staudenknöterich und Sonnenblumen, Eisenkraut und viele mehr verlängern die Blütezeit in unseren Gärten und bieten Nahrung für die Honigbiene. Diese benötigt vom ausklingenden Sommer an viel Nahrung, die Bienenvölker umfassen zu diesem Zeitpunkt sehr viele Arbeiterinnen. Den Gartenbeeten kommt ein besonderer Stellenwert zu.

Herbstzeit ist Pflanzzeit. Der Gestaltung von Staudenbeeten sind keine Grenzen gesetzt. Als Leitfaden können die klassische oder die naturalistische Variante dienen. Beim Klassiker bestimmen die Farben, Formen und der Wuchs der Blumen die Zusammenstellung. Es wird nicht einzeln verteilt, sondern in Gruppen gepflanzt. Dieses widerspricht dem naturalistischen Stil, der an Wiesen erinnern soll und entsprechend in erster Linie züchterisch unveränderte Pflanzen, die irgendwo auf der Welt natürlich verbreitet sind, vorkommen lassen sollte.

Jasmin Möller-Boldt und Helga Schuller blicken über dieses Stadium bereits hinaus in die Zukunft: „Jetzt ans Frühjahr denken und Blumenzwiebeln setzen“, sagt Schuller und Möller-Boldt ergänzt: „Krokusse sind die ersten im Jahr, die für Bienen etwas bieten.“

Doch zunächst gilt es im Einklang mit den Worten von Theodor Storm „Herbst ist gekommen, Frühjahr ist weit“, die dritte Jahreszeit mit ihrem Farbenspiel, dem nebligen Tagesanbruch, Spinnweben und Morgentau zu genießen.

Wer die gesamte Saison über im Garten etwas für Insekten bieten will, liegt unter anderem mit diesen Stauden und Gehölzen richtig.

Von Anke Schlicht

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