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Thema: Wolf im Landkreis Celle Basiswissen Wölfe
Thema Thema: Wolf im Landkreis Celle Basiswissen Wölfe
Quelle: imagelibrary

Wie viele Wölfe leben zurzeit im Celler Land?

Das kann niemand mit Sicherheit sagen. Tatsache ist, dass mehrere Rudel im Landkreis und in den Nachbarlandkreisen ihr Territorium haben. Landkreisgrenzen sind für die Tiere nicht relevant, die Rudel auf dem Truppenübungsplatz Bergen und im Ostenholzer Moor sind im Heidekreis und im Landkreis Celle unterwegs, ebenso die Rudel aus Wietzendorf und Munster, das wie das Rheinmetall-Rudel auch den  Uelzener Raum bestreift. Zu vermuten ist, dass auch das Escheder Rudel Ausflüge in die Nachbarschaft unternimmt. Noch nicht bestätigt ist, dass es seit 2017 bei Walle ein Rudel gibt. Zu vermuten ist es, wissenschaftlich nachgewiesen ist bisher aber nur eine standorttreue Fähe. Das Escheder Rudel wird zurzeit ohne Nachwuchs aus dem vergangenen Jahr geführt, da ein eindeutiger Nachweis der Welpen per Foto nicht vorliegt. Auch ist die Herkunft der drei Wölfe, die seit Januar den Raum Eldingen-Beedenbostel-Höfer-Eschede bestreifen, noch unbekannt. Und es ist davon auszugehen, dass hin und wieder auch durchziehende Wölfe im Landkreis Celle gesehen werden.

Sind die Wölfe nicht alle importiert?

Seit Wölfe nach Deutschland zurückkehrten, hält sich das Gerücht, dass die Tiere ausgesetzt wurden. Immer wieder wird von „Wiederansiedlung“ gesprochen, was ein Aussetzen der Tiere impliziert. Und der „Import-Verdacht“ wird mit dem Hinweis unterfüttert, dass die ersten Wölfe ja immer auf den Truppenübungsplätzen der Bundeswehr auftauchten. Als ob dort im Schutze des allgemeinen Betretungsverbots die Mitarbeiter einer geheimen Behörde die Transportkisten öffnen und die Tiere in ihre neue Umgebung entlassen würden. Tatsache ist, dass Wölfe gut zu Fuß sind und weite Strecken zurücklegen können, wie es bei besenderten Wölfen schon oft nachgewiesen wurde. Auch sind Flüsse oder Kanäle für sie kein Hindernis. Die Wölfe kehren in Regionen zurück, in denen sie Jahrtausende gelebt haben.

Wölfe haben in der Kulturlandschaft nichts verloren

Seit gut 20 Jahren gibt es wieder Wölfe in Deutschland, was beweist, dass sie keine Wildnis als Lebensraum benötigen. Sie sind auf ausreichend große Territorien angewiesen, brauchen eine ausreichende Nahrungsgrundlage und wenn der Nachwuchs zur Welt kommt und klein ist, gewisse ruhige Rückzugsräume. In unserer Kulturlandschaft leben auch Millionen andere Tiere, die sich mit ihrem Lebensraum arrangiert haben. Sie richten Schäden in der Land- und Forstwirtschaft an und verursachen über 200.000 Wildunfälle im Jahr, zum Teil mit Todesfolge für die Menschen.

Kann man nicht ein paar Wölfe abschießen?

Nein, der Wolf ist streng geschützt durch Nationales und Internationales Recht, nämlich durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (Anhang II) und die Berner Konvention (Anhang II). Er unterliegt zudem dem Europäischen Recht, nämlich der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (Anhang II und IV) und der Verordnung der Europäischen Gemeinschaft 338/97 (Anhang II). Im Bundesnaturschutzgesetz ist er nach Paragraph 7 Absatz 2, Nr. 13 streng geschützt. Im aktuellen Wolfskonzept des Landes Niedersachsen steht aber auch, dass die Sicherheit des Menschen oberste Priorität hat. Auf dieser Grundlage war nach einer Gefahrenabwägung im April 2016 die Tötung des besenderten Wolfs MT6 (Kurti) aus Munster beschlossen worden.  Der Wolf hatte sich mehrfach Menschen und Hunden genähert, so dass mit nicht nur unerheblichen Körperverletzungen gerechnet werden musste. Vom Einfangen des Tiers und einer Gehegeunterbringung war vom „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ (DBBW) aus Tierschutzgründen abgeraten worden.

Wo Wölfe sind, gibt es bald kein Wild mehr

Wenn das so wäre, müssten die Wölfe längst überall ausgestorben sein, weil sie dann ja ihre Nahrungsgrundlage zerstört hätten.

Wölfe fressen vor allem Schafe

Wölfe reißen die Tiere, die sie am leichtesten jagen können. Jede Jagd ist für den Wolf mit dem Risiko verbunden, verletzt zu werden und dann nicht mehr der Nahrung nachstellen zu können. Wölfe unterschieden nicht zwischen „verbotener“ und „erlaubter“ Beute. Bei der Untersuchung von 6851 Losungen wurde festgestellt, dass der Biomasseanteil von Nutztieren in der Nahrungszusammensetzung der Wölfe 1,1 Prozent umfasst.

Es gibt immer mehr Wölfe

Ja und nein: Die Zahl der Wölfe wird zunehmen – wenn es der Mensch zulässt. In einem von Wölfen besetzten Territorium wird die Zahl aber nicht ständig ansteigen, sondern mit etwa fünf bis zehn Tieren relativ konstant bleiben. Wachsen wird die Zahl der Wolfsterritorien und damit die von Wölfen besiedelte Fläche. Ein Wolfsrudel besteht aus einer Familie, zu der die Elterntiere, die aktuellen Welpen und die sogenannten Jährlinge aus dem Vorjahr gehören. Ein Rudel lebt auf einem mehr oder minder festen Territorium, dessen Größe stark vom Nahrungsangebot abhängt. Es umfasst etwa 25.000 Hektar oder 250 Quadratkilometern. Wölfe markieren ihr Territorium mit Urin und Kot und signalisieren so, dass es besetzt ist. Territorien werden gegen andere Artgenossen verteidigt, dabei können auch Tiere ums Leben kommen. Die Jährlinge wandern ab, suchen sich einen Partner und besiedeln ein neues Territorium. Nicht alle Welpen werden groß. Sie können Krankheiten oder dem Verkehr zum Opfer fallen. Seit 2000 sind in Deutschland 232 Wölfe tot aufgefunden worden, 96 waren Welpen, 66 Jährlinge. 165 Wölfe starben bei Verkehrsunfällen, 27 wurden illegal getötet, drei legal im Rahmen des Managements.  (Zahlenangaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf vom 28. Februar 2018)