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Boulevard «El Gordo»: Geldregen in ganz Spanien
Weltgeschehen Boulevard «El Gordo»: Geldregen in ganz Spanien
20:41 22.12.2018
Nach der Ziehung werden die Nummern der Glückslose von Kindern vorgesungen. Foto: Eduardo Parra/Europa Press Quelle: Eduardo Parra
Valencia

Madrid (dpa) - Viele Spanier konnten am Samstag ihre Freudentränen kaum unterdrücken. Mit knallenden Sektkorken, Trommeln und spontanen Tänzchen feierten Menschen in fast allen Landesteilen das Ergebnis der traditionellen Weihnachtslotterie «El Gordo».

Denn anders als in den Vorjahren verteilen sich die fetten Gewinne der «Lotería de Navidad» in diesem Jahr auf fast alle Provinzen des Landes. «Ich kann es nicht fassen und bin total aufgeregt», jubelte eine Gewinnerin in die Fernsehkameras. «Das wird ein tolles Weihnachtsfest!»

Besonders großen Geldregen gab es in Huesca in der Region Aragonien mit 120 Millionen Euro und in einem Einkaufszentrum in Cuenca in der Region Kastilien-La Mancha, wo Kunden insgesamt 88 Millionen Euro gewannen, wie spanische Medien berichteten. Auch Bilbao und Gernika im Baskenland gehörten zu den großen Gewinnern der diesjährigen Lotterie.

«Das ist ein echter Traum», freute sich Lotto-Verkäuferin Alba im galicischen Ort Teo, wo ebenfalls ein Teil des «Gordo» verteilt wird. «Wenn die Leute ihr Los kaufen, dann versprechen sie dir alles Mögliche im Falle eines Gewinns - sogar Reisen in die Karibik. Da wollen wir mal abwarten!», schmunzelte sie. Erstaunen herrschte im Örtchen Manises in der Provinz Valencia, wo «El Gordo» seit 2012 bereits zum dritten Mal zuschlug. «Das ist völlig verrückt, wir sind geschockt und sprachlos», sagte ein Angestellter des Lottogeschäfts der Nachrichtenagentur Europa Press.

Dabei ließ der Dicke dieses Mal lange auf sich warten. Erst um 12.35 Uhr - nach mehr als dreieinhalbstündiger Ziehung - sang die kleine Lottofee Carla García in der Madrider Oper die fünfstellige Nummer des Hauptgewinns vor: 03347. Die Gewinnsumme beläuft sich auf vier Millionen Euro für ein ganzes Los. «El Gordo» wird gleich 170 Mal vergeben, da jede Losnummer 170 Mal verkauft wird.

Die meisten Spanier schließen sich traditionell zu Tippgemeinschaften unter Freunden, Kollegen, Nachbarn oder sogar ganzen Dörfern zusammen, weil der Spaß nicht billig ist: Ein ganzes Los kostet immerhin 200 Euro. Die meisten begnügen sich mit Zehntellosen, so dass sehr viele Menschen in den Genuss von zumeist kleineren Geldgewinnen kommen. Auch immer mehr Deutsche nehmen an der berühmten Lotterie teil.

Die Losnummern und die entsprechende Gewinnsumme wurden wie immer singend von Schülern des Internats San Ildefonso vorgetragen. Einige der Kinder hatten am Samstag Tränen in den Augen angesichts der großen Ehre, bei «El Gordo» dabei sein zu dürfen. Ein Millionenpublikum verfolgte die mehr als vierstündige Ziehung im Teatro Real wie immer live in Kneipen, Cafés oder daheim vor den TV-Schirmen. Die Weihnachtslotterie, die es schon seit über 200 Jahren gibt, gilt nicht nur als die älteste, sondern - gemessen an der ausgespielten Gesamtsumme - auch als die größte der Welt.

Unzählige Spanier hoffen alljährlich kurz vor Heiligabend auf den großen Geldsegen. Aber der größte Gewinner der Lotterie steht schon vorher fest: das Finanzamt. Der spanische Staat kassiert allein 30 Prozent aus den Verkaufserlösen.

Allerdings wurde in diesem Jahr die Summe erhöht, ab der Steuern bezahlt werden müssen: Statt wie bisher bei Gewinnen ab 2500 Euro werden nun erst ab 10.000 Euro Abgaben fällig. Steuerexperten des spanischen Finanzministeriums rechneten vor, dass der Staat dieses Mal 188,7 Millionen Euro aus Lotterie-Steuern einnimmt, sechs Prozent weniger als im Vorjahr.

Von dpa Von Carola Frentzen

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