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Kultur 4. Symphoniekonzert des Niedersächsischen Staatsorchesters im Opernhaus Hannover
Weltgeschehen Kultur 4. Symphoniekonzert des Niedersächsischen Staatsorchesters im Opernhaus Hannover
16:28 03.02.2015
Hannover

Bis dahin war indes mit Leoš Janáceks Orchestersuite aus der Oper „Das schlaue Füchslein“ in der Fassung von Charles Mackerras erst noch ein ebenso interessanter wie heikler Programmpunkt angesagt. Der Komponist hatte sich seinerzeit für diese Musik eingehend mit Naturgeräuschen befasst, keineswegs im Sinne einer platten Imitation, sondern mit Blick auf eine geeignete instrumentale Umformung. Ein durchaus faszinierendes Vorhaben, und das Orchester unter dem engagierten Gastdirigenten Jonathan Darlington wusste diese streckenweise einzigartigen Klangfarben auch stimmig zu interpretieren. Leider blieb dabei der Gesamtzusammenhang ein wenig auf der Strecke – kaum hatte sich der Zuhörer auf eine Stimmung eingeschwungen, folgte schon wieder ein neuer Ansatz. Auf die Dauer dann doch eine recht anstrengende Hörerfahrung.

Ein leichtes Kaliber ist auch Dmitri Schostakowitschs nach der Pause aufgeführte 15. Symphonie ganz gewiss nicht. Auf den leicht überkandidelten Kopfsatz folgen Passagen voller Mysterienklänge, und im Einzelfall kommt die Musik fast zum Stillstand. Nicht genug damit, zitierte Schostakowitsch reichlich, unter anderem Richard Wagner, sich selbst – und just Rossinis eingangs gespielten Gassenhauer. Über die Gründe, weshalb das berühmte „Reiter-Motiv“ hier zugleich dekonstruiert und integriert wurde, streiten sich die Gelehrten, doch scheint es nicht abwegig, sie eher im formalen als im symbolischen Bereich zu vermuten: Im Kontrast zu der hyperleichten Phrase kommen die abgedunkelten Passagen im Werk des damals schon schwer kranken Komponisten um so eindringlicher zur Geltung.

Wie dem auch sei, Dirigent und Orchester schafften es, die Spannung über die gesamte Dreiviertelstunde zu halten, bei Bedarf äußerste Zurückhaltung zu wahren und andererseits griffige Akzente zu setzen. Eine großartige Kollektivleistung, aus der man vielleicht noch die konzentrierte Schlagwerk-Fraktion und Cellist Reynard Rott mit seinem traurig-schönen, gleichsam verloren wirkenden Solo hervorheben kann. Sternstunde.

Von Jörg Worat