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Kultur Ägyptens Mysterien und die Freimaurerei in Hannover
Weltgeschehen Kultur Ägyptens Mysterien und die Freimaurerei in Hannover
16:24 15.09.2017
Quelle: Christian Tepper
Hannover

Der Zeitpunkt der Schau ist gleichermaßen kein Zufall, gilt doch 1717 als Gründungsdatum des geheimnisumwitterten Bundes in seiner modernen Form – demnach gilt es jetzt das 300. Jubiläum zu feiern. Die Ausstellung ist Teil eines umfassenden Programms zu diesem Anlass, und der Ort scheint naheliegend, weil die ägyptische Abteilung im Museum August Kestner ein Schwer- und Höhepunkt der hiesigen Sammlung ist.

Das alte Ägypten war für die Freimaurer stets eine beliebte Projektionsfläche, in der sie grundlegende Elemente der eigenen Philosophie wiederfanden. Aufschlussreich ist diesbezüglich ein 1731 veröffentlichter Roman des Abbé Jean Terrasson über den ägyptischen Pharao Sethos, in dem typische Freimaurer-Themen wie Prüfungen, Läuterung oder Transformation eine wesentliche Rolle spielen.

Die Ausstellung ist nicht besonders groß, aber attraktiv. Leihgaben aus Bibliotheken zeichnen inhaltliche Zusammenhänge nach, und etliche Figuren aus der Museumssammlung machen die Sache anschaulich. Auch indem sie zuweilen eigenwillige Anverwandlungen verdeutlichen: Die übliche Darstellung des Horus-Kindgottes mit dem Finger am oder im Mund deuteten die Freimaurer etwa gerne als Zeichen der Verschwiegenheit, die in diesen Zirkeln von ganz besonderer Bedeutung ist. Eine „Mozart-Ecke“ zeigt schließlich interessante Hintergründe der „Zauberflöte“ auf, deren Komponistja selbst Mitglied einer Loge war.

Apropos Verschwiegenheit: Dass die Freimaurer zunehmend an die Öffentlichkeit gehen, mag man nicht zuletzt als Flucht nach vorn empfinden, da in Zeiten des Internets viele Geheimnisse nicht lange ebensolche bleiben. Wie dem auch sei, das Rahmenprogramm zur Ausstellung klingt spannend – das Museum ko-operiert unter anderem mit der hannoverschen Staatsoper, die am 13. Janu-ar eine Neuinszenierung der „Zauberflöte“ plant. Fünf Tage später wird es vor diesem Hintergrund Gelegenheit zum Kennenlernen unterschiedlicher Blickwinkel geben: Es diskutieren Musikwissenschaftler, Ägyptologen und Freimaurer, unter anderem Siegfried Schildmacher, Meister vom Stuhl der 1746 gegründeten hannoverschen Loge „Friedrich zum weißen Pferde“.

Von Jörg Worat