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Kultur „Anna Karenina“ beachtenswert in Szene gesetzt
Weltgeschehen Kultur „Anna Karenina“ beachtenswert in Szene gesetzt
09:49 18.02.2014
Brillieren selbst in schwierigen Gesangspartien: Nadja Stefanoff (links) als Anna Karenina, - Moran Abouloff (Mitte) als Kitty sowie Matthias Stier als Lewin. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Braunschweig

Die letzte Premiere liegt schon fast achtzig Jahre zurück. Sie fand 1936 kurz vor Hubays Tod mit großem Erfolg in Chemnitz statt. Dabei war der Komponist in seiner Schaffenszeit nicht gerade vom Glück verfolgt: Im nationalsozialistischen Deutschland waren Aufführungen seiner Werke verboten und in der kommunistischen Diktatur in Ungarn durfte Hubays Name nach 1956 nicht genannt werden.

Hundert Jahre nach seiner Entstehung hat das Staatstheater Braunschweig „Anna Karenina“ wiederentdeckt und in einer beachtenswerten Inszenierung von Philipp Kochheim auf die Bühne gebracht. Ein Erfolg, der nicht von ungefähr kommt: er Stoff mit dem Werben des gräflichen „Frauenjägers“ Wronskij um die verheiratete Anna, ihr anfängliches Sträuben und schließlich ihr Scheitern mit dem tragischen Ende sind eh fesselnd. Hinzu kommt Hubays deutlich ausgeprägter Sinn für dramatische Entwicklungen. Musikalisch nutzt er Motive aus russischer Volksmusik mit Anklängen an Walzer und Mazurka genauso wie die gesamte Bandbreite von orchestralen Klangfarben – oft mit starker Bläser-Dominanz im kraftvollen Tutti und fast kammermusikalisch anmutend in den Pianopassagen. Richard Strauss lässt grüßen.

Dass sich dabei musikalisch manches allzu plakativ entwickelt, mag eine Besonderheit der Braunschweiger Aufführung sein. Sebastian Beckedorf am Pult des Staatsorchesters ließ besonders zu Beginn die Zügel locker und brauchte einige Zeit, ehe ihm eine angemessene Abstimmung zwischen Orchestergraben und Bühne gelang. Dann aber musizierte man gewohnt glanzvoll und präzise.

Trotzdem hatten es die Sänger nicht immer leicht, gegen den aufbrausenden Orchesterklang anzusingen. Thomas Gruber hat ihnen dazu spektakuläre Bühnenbilder mit vielen Details gebaut und Gabriele Jaenecke sorgte für edle, zeitgenössische Kostüme. Um einer allzu starken zeitlichen Verortung entgegenzuwirken und Allgemeingültigkeit zu erreichen, schmuggelt Regisseur Kochheim Handys, Digitalkameras und Jeans in die Szene.

Ihre schwierigen und Kraft kostenden Gesangspartien bewältigten alle Solisten mit Bravour – allen voran Nadja Stefanoff in der Titelrolle mit leuchtendem, auch in den Höhen sicher geführtem Sopran. Arthur Shens Tenor gab seinem Graf Wronskij nicht nur stimmlich sondern auch darstellerisch Strahlkraft, und als Kitty überzeugte Moran Abouloff genauso wie Matthias Stier als Lewin.

Von Hartmut Jakubowsky