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Kultur Atemberaubende Tanzkunst im Wolfsburger Kraftwerk
Weltgeschehen Kultur Atemberaubende Tanzkunst im Wolfsburger Kraftwerk
09:02 07.05.2014
Wolfsburg

Dieses Tanzen wirkte selbst wie ein Kraftwerk. Mit einer geradezu unglaublichen Energie wirbelte die Truppe zweimal 40 Minuten über die Bühne des Festivals „Movimentos“ in der Autostadt. Aber es war keineswegs nur die nicht enden wollende Energie dieser Truppe, die faszinierte.

Schon das Bühnenbild beider Produktionen bestach in seiner Einfachheit und Bildkraft. Bei „Triz“ begrenzten mehrere Kilometer Stahlseil den rechteckigen Bühnenraum. Der Charakter von Metall als etwas Undurchdringliches und Begrenzendes wird dadurch, dass unendliche Meter Stahlseil wie ein leicht transparenter, aber massiver Vorhang eingesetzt wird, in sein Gegenteil verkehrt, ohne dass dem Material seine Oberflächenqualität genommen wird.

In diesem doppeldeutigen Raum bewegen sich die Tänzer in zweigeteilten Kostümen. Die eine Hälfte ist weiß, die andere schwarz. In dem schwarz-weiß-grauen Umfeld führt das durch die raffinierte Beleuchtung dazu, dass man manchmal die Figuren in ihren vielfältigen Bewegungen nur schwer als Ganzes erkennen kann. Man sieht eine Hälfte, die andere erahnt man mehr. Aber man erlebt immer eine immense Dynamik im Ablauf. Energielinien bewegen sich im Raum. Man staunt über die Leichtigkeit, mit der hier getanzt wird. Das gilt sowohl für leise und langsame Passagen wie für wirbelige Momente.

Im zweiten Stück „Ima“ wurde dem durch Ironie zeitweise unterlaufenen Ernst in „Triz“ ein Stück getanzte Lebensfreude gegenübergestellt. Das passte wunderbar zum Festwochenthema „Glück“. „Wer in der Lage ist, die eigene Lebensfreude zu genießen, der lebt im Glück!“, genau das transportierte diese Choreographie. Und wie da getanzt wurde, das ließ einem aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen. Dabei hat der Choreograph nicht einmal eine ausgeprägte eigene Tanzsprache gezeigt. Nein, Pederneiras, mischt allerlei alte und neue Bewegungsmodi miteinander. Er greift sogar punktuell auf den Bewegungskanon des klassischen Balletts zurück, macht daraus aber durch die Verschmelzung mit den vielen von ihm aufgegriffenen Tanzarten etwas Eigenes. Das Ganze spielt in einem abstrakten, immer wieder andersfarbig ausgeleuchteten Raum.

Ausgangspunkt der Choreographie sind die Gegensätze im einzelnen Menschen und in der Konfrontation mit anderen Menschen, aber auch hier: Es blieb Platz für Brechungen, für ironische Momente. Ein Abend mit hohem Erinnerungswert.

Von Reinald Hanke