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Kultur Auf der Suche nach afroamerikanischen Wurzeln
Weltgeschehen Kultur Auf der Suche nach afroamerikanischen Wurzeln
09:59 22.06.2018
Quelle: Sara Pooley
Hannover

Sie heißt „Black Madonna“, ebenso wie eine bereits laufende Schau in Basel und eine kommende in München. Alle drei Präsentationen kreisen um einen Themenkomplex, der über die gängige kunsthistorische Deutung der traditionellen Madonnenfiguren mit den dunklen Gesichtern hinausreicht: Gates geht es durchaus ums Hier und Jetzt – schwarze Frauen seien die Retter, sagt er, während weiße Männer den Ruhm einheimsen wollten.

So begibt sich der gelernte Städteplaner und Töpfer auf die Suche nach afroamerikanischen Wurzeln und beleuchtet den gesellschaftlichen Umgang damit. Auf einem Banner ist Coretta, die Ehefrau von Martin Luther King zu sehen, ein anderes zeigt die Sängerin und Schauspielerin Eartha Kitt. Mehrere Drucke verweisen auf die Zeitschrift „Jet“, die sich ab 1951 explizit an ein afroamerikanisches Publikum wandte. Ein Exponat zeigt auf einem Regal gebundene Exemplare, die wie Gebetsbücher aussehen. Nebenan läuft ein Video, das Gates beim Singen zeigt.

Und die Ziege? Zum einen denkt der Künstler dabei an den sprichwörtlichen Sündenbock – auf Englisch „scapegoat“ –, zum anderen will er auf die weitverbreitete, aber fragwürdige Vorstellung hinweisen, die Freimaurer hätten einst bei ihren Aufnahmeritualen den Ritt auf einem solchen Bock verlangt. Jene Freimaurer, die von der Tradition her ein Bund weißer Männer sind.

Die Neonarbeiten mit ihrer sonderbaren Ästhetik wiederum sind gar keine freien Ab-straktionen, sondern beziehen sich auf Infografiken aus Schrif-ten von W. E. B. Du Bois (1868 bis 1963), der schon früh in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung tätig war. Dieser Bezug wird allerdings ohne entsprechenden Hinweis nicht deutlich – überhaupt darf man hier nicht damit rechnen, dass sich sämtliche Exponate sofort erschließen.

Theaster Gates hat übrigens in Chicago und auch auf der Kasseler documenta 13 Helfer mobilisiert, um verfallene Häuser wieder zu sozialen Treffpunkten zu machen. Und damit wären wir einmal mehr bei Schwitters: Wenn alle Grenzen fallen, dann bitte auch diejenige zwischen Kunst und Leben.

Von Jörg Worat

Wo ist das gute alte Theater hin? Das wird sich der eine oder andere Besucher angesichts so manch wüster Inszenierung der jüngeren Vergangenheit gefragt haben. Nun, es gibt noch Bühnen, in denen die Traditionen hochgehalten werden, zum Beispiel das Katschalow Theater Kasan, das auf Einladung des Schauspiels Hannover zu Gast war. Ausgerechnet im Schauspielhaus, also demjenigen Ort, an dem etliche Inszenierungen der eingangs beschriebenen Art stattfanden.

21.06.2018

„Mein kleiner grüner Kaktus“: Das hat man schon tausend Mal von den verschiedensten Gesangsgruppen gehört? Schon richtig, aber kaum in dieser Form – da landet eine Baritonstimme gekonnt neben der Spur, derweil der Sänger dazu die Bewegung eines Leierkastenmannes vollführt, und am Schluss klingt die ganze Sache, als hätte jemand eine Schallplatte auf doppelte Geschwindigkeit gestellt.

20.06.2018

„In your face“: So haben die Macher der Gruppe „Scope“ ihre zweite groß angelegte Ausstellung zeitgenössischer Fotografie genannt. Der amerikanische Slang-Titel lässt sich schwer adäquat ins Deutsche übertragen – er bedeutet irgendetwas zwischen „Voll auf die Glocke“ und „Da hast du’s“. Entsprechend wartet die Schau nicht mit übermäßig lieblichen Bildern auf.

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