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Kultur Aufnahmen der Extraklasse in hannoverschen Galerie für Fotografie
Weltgeschehen Kultur Aufnahmen der Extraklasse in hannoverschen Galerie für Fotografie
13:40 24.07.2017
Hannover

Nissen ist in der Szene ein bekannter Name. Er arbeitet unter anderem für „Time“, „Newsweek“, „GEO“ oder „Spiegel“ und hat mehrfach den renommierten World Press Photo Award gewonnen. Zurzeit lehrt er im Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover, und wenn seine Schützlinge auch nur einen Bruchteil seiner Fähigkeiten mit auf den Weg bekommen, können sie sich glücklich preisen.

Die Schau zeigt durchweg Schwarz-Weiß-Aufnahmen im Querformat, thematisch allerdings deckt der Fotograf eine große Bandbreite ab. Es gibt Menschenstudien, Landschaftsaufnahmen und auch schon mal eine kuriose Umarmungsszene mit einem Äffchen und einer Katze. Nissen hat den Nationalpark Yasuní in Ecuador besucht, wo die indigene Volksgruppe der Waorani lebt, oder das peruanische Belén Bajo, etwas bitter zuweilen als das „Venedig des Regenwaldes“ bezeichnet – durch den schwankenden Wasserstand des Amazonas ist der „Slum auf Stelzen“ immer wieder von Überschwemmungen bedroht.

Der Fotograf ist vor Ort auch einer homosexuellen Gemeinschaft begegnet, die im Exil lebt, und hat Glücksjäger auf Goldsuche getroffen, die ihr schwer erarbeitetes Geld umgehend für Frauen und billigen Schnaps verprassen. Manche Bilder haben ihre ganz eigene Schönheit, andere leben von einer faszinierenden Rätselhaftigkeit, und nicht wenige wirken schlichtweg deprimierend. Zumal ein wichtiges Thema immer wieder das Vordringen der Zivilisation in die wenigen weißen Flecken ist, die es auf der Landkarte dieses Planeten noch geben mag. Und es wirkt schon sehr befremdlich, wenn da am Gepäck der einheimischen Bevölkerung die 2-Liter-Flasche Coca-Cola baumelt.

Bei alledem sind die Aufnahmen in technischer Hinsicht Weltklasse. Diese Lichtwirkungen, die zuweilen eine nachgerade magische Wirkung entfalten, muss man gesehen haben. Und wie eindrucksvoll Unschärfen sein können, wenn man sie denn gezielt einzusetzen weiß, wird hier punktuell ebenfalls beispielhaft vorgeführt.

Es scheint wirklich, als habe Mads Nissen sein Herz an diese Region verloren. „Ich habe Pflanzen gesehen, die durch Lachen von Öl gesprossen sind, und ich weiß, dass Schaben mehr Radioaktivität überleben können als Menschen“, sagt er. Und folgert: „Ich versuche, mir keine Sorgen darüber zu machen, dass die Menschen die Natur zerstören; ich weiß, die wird am Ende doch immer gewinnen.“

Von Jörg Worat