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Kultur Ausnahmegeigerin Carolin Widmann mit "schöner Balance im Konzertkalender"
Weltgeschehen Kultur Ausnahmegeigerin Carolin Widmann mit "schöner Balance im Konzertkalender"
19:39 12.10.2017
Ausnahmegeigerin Carolin Widmann tritt in Hannover auf. Quelle: Lennard Rühle
Hannover

Frau Widmann, bei den Niedersächsischen Musiktagen haben Sie Schumann und Mendelssohn gespielt, jetzt ist Mozart angesagt – wo bleiben die Neutöner, für deren Interpretationen Sie ja besonders bekannt sind? Kann man in irgendeiner Weise behaupten, dass Ihnen die großen Alten immer näher stehen?

Bei den Musiktagen habe ich auch ein Stück meines Bruders gespielt, also eines „Neutöners“. Allerdings tönt er in diesem Stück gar nicht so neu, was ich auch mal spannend finde. Die „großen Alten“ standen mir seit jeher sehr nah, die Neutöner auch. Es herrscht eine schöne Balance in meinem Konzertkalender und Leben, für die ich sehr dankbar bin. Ich spiele viele Uraufführungen, aber auch oft die „Klassiker“, oftmals auch vergessene oder vernachlässigte Komponisten der Vergangenheit. Die Welt ist zu reichhaltig, um sich nur auf das eine oder andere zu beschränken. Ich brauche diese Balance unbedingt, ich lerne so viel dabei, viele Epochen zu erkunden.

Hören Sie auch ganz andere Musik, etwa Death Metal, Funk oder Schlager? Glauben Sie an so etwas wie positive Naivität?

Ich höre gerne auch kommerzielle Musik unserer Zeit: Amy Winehouse, Adele, Bob Dylan, Goldfrapp. Ja, positive Naivität gibt es meines Erachtens. Und ich finde es schade, dass das dann oft als „primitiv“ oder zu wenig intellektuell abgetan wird. Oft ist es nämlich als Künstler äußerst gewagt und mutig, sich zu dieser einfachen Naivität zu bekennen, vor allem im Bereich der sogenannten „Ernsten Musik“.

Es war zu lesen, dass Sie Nigel Kennedy durchaus schätzen. Nun mag der noch ein Sonderfall sein – wie aber stehen Sie zu Crossover etwa der Garrettschen Prägung?

In jeder Art von Musik gibt es ganz faszinierende, tolle Vertreter jeglicher Richtungen. Ich finde es toll, wenn Musiker gekonnt, mit Instinkt und Wissen, Genres verbinden können. Ich habe nichts grundsätzlich dagegen. Wenn es gut gemacht ist, kann es bereichernd sein. Mein großes Idol in diesem Bereich ist beispielsweise der Jazz-Geiger und Improvisator Didier Lockwood. Auf einem Konzert improvisierte er mit einem Loop-Generator und E-Geige und kreierte eine Klangwelt, die ich auf der Geige nicht für möglich gehalten hatte und die mir die Sprache verschlug.

Stimmt es, dass Sie und Ihr Bruder zusammen als Kinder die „Zauberflöte“ inszeniert haben?

Naja, „inszeniert“ ist übertrieben. Wir hatten unsere Stofftiere und teilten jedem eine Rolle zu, ich sang alle Rollen – Mozart hätte davon vielleicht nichts wiedererkannt –, und mein Bruder spielte den Klavierauszug. Mein Schaf Schnüppi war die „Königin der Nacht“, Jörgs Hund Waldi der Tamino, mein Affe Jocko war der Monostatos und meine Katze Lizzy die Pamina. Es war beileibe kein Regietheater.

Von Jörg Worat