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Kultur Ausstellung „Fragment“ regt Fantasie der Besucher an
Weltgeschehen Kultur Ausstellung „Fragment“ regt Fantasie der Besucher an
00:40 01.03.2018
Hannover

Wer nicht unbedingt klar definierte figürlich-gegenständliche Elemente braucht, wird bei Wagner gut bedient. Die Werke des Hildesheimers sind abstrakt, wobei immer wieder die Frage aufkommt, wovon er abstrahieren mag: Die Formen haben eine kompakte Körperlichkeit, wirken zugleich fremd und vertraut. Interessant auch der Umgang mit dem Material – geknickte, verdrehte, eingefärbte Kartonagen verwendet Wagner für die plastischen Bodenarbeiten, die schon mal den Eindruck erwecken können, als seien sie aus Stein oder angekokeltem Holz. Nicht minder griffig wirken die Wandstücke auf Papier; mit Kohle und flüssiger Kreide bringt der Künstler hier aller Zweidimensionalität des Bildträgers zum Trotz einen ausgeprägt räumlichen Eindruck zustande.

Auf den Gemälden des Hannoveraners Ralph Kull hingegen mangelt es nicht an Figurativem. Die Bilder scheinen sogar Geschichten zu erzählen, doch würden diese wohl je nach Charakter und Befindlichkeit des Betrachters erheblich variieren. Denn Eindeutigkeit versucht der Künstler erfolgreich zu vermeiden und schmuggelt immer wieder formale wie inhaltliche Irritationen in seine Szenerien.

Da ist etwa eine Figur, die in stabiler Seitenlage auf einer Matratze liegt und offenbar in einem Gewässer treibt. So ganz klar ist das nicht, auch das Drumherum bleibt rätselhaft: Im Hintergrund könnte eine Gebirgskette aufragen, scheinwerferartige Kreise schneiden farbig stark betonte Bildabschnitte heraus, die nicht unbedingt zum Rest der Umgebung passen. Und ein kleines Objekt vorne erinnert an die Architekturen des Surrealisten Giorgio de Chirico.

Vor Zitaten scheut Kull ohnehin nicht zurück, am deutlichsten wird das vielleicht im Trptychon „Ideal“ sichtbar, das eben nicht ist, was der Titel verheißt: Schön, wir haben Naturelemente und wir haben zentral eine Rückenansicht, die dem Romantiker Caspar David Friedrich zur Ehre gereichen würde. Nur hat sich die Figur deutlich sichtbar auf einer Stehleiter postiert, während rechts ein verunglücktes Auto kopfüber im Wasser liegt.

Überhaupt vermiest uns der Künstler gern den Spaß. Ein bunter Regenbogen ziert die „Kleine Stadtszene“ - aber was hat der Heckenschütze links im Bild zu suchen, und warum steht er auf einem Gebäude, dessen Dimensionalität unklar bleibt, weil es den Blick auf den dahinterliegenden Bildbereich keineswegs verdeckt? Und Kull kann auch heftiger werden: Auf einer Kreuzigungsdarstellung sind so ziemlich alle gängigen Perspektiven aus den Fugen geraten.

Was soll Kunst in erster Linie? Die Phantasie anregen und Assoziationen mannigfacher Art ermöglichen? Wer so denkt, könnte bei den „Fragmenten“ an der richtigen Adresse sein.

Von Jörg Worat

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