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Kultur Zeichnungen mit Konzentration aufs Wesentliche
Weltgeschehen Kultur Zeichnungen mit Konzentration aufs Wesentliche
12:47 19.12.2018
Karl Bohrmanns Werk ohne Titel (Roter Dampfer) von 1995 mit Ölkreide und Kugelschreiber auf Papier. Quelle: Galerie Koch
Hannover

Eine wunderbare/wundersame Ausstellung zeigt zurzeit die Galerie Koch. Allerdings werden diejenigen daran wenig Freude haben, die vor allem das Spektakuläre lieben. Tatsächlich wirken die präsentierten Arbeiten von Karl Bohrmann oft nachgerade beiläufig. Es überwiegen kleine Formate, die Darstellungen sind sparsam gesetzt und die Bildträger tendenziell eher unedel – da kann auch schon mal ein alter Brief als Zeichengrund dienen.

Der Name des 1928 in Mannheim geborenen und 1998 in Köln verstorbenen Künstlers ist heutzutage vielleicht nicht mehr in vorderster Front zu finden. Doch es hat seine Gründe, dass Bohrmann als Lehrer an der renommierten Frankfurter Schule tätig und auf der documenta 6 vertreten war: Eine ebenso schwierige wie elementare Übung in der bildenden Kunst beherrschte er meisterhaft – die Konzentration auf das Wesentliche.

Das konnte in gleichsam serieller Form geschehen. Ein immer wiederkehrendes Motiv sind etwa die „Akte im roten Mantel“, und so sehr sich diese Bilder auf den ersten Blick zu ähneln scheinen, so unterschiedlich sind sie in den Details der Raumauffassung. Mit Ölkreide und Aquarellfarben aufs Papier gesetzt, erscheinen da weibliche Gestalten, deren Silhouette durch die sattrote Umrahmung erst definiert wird. Das Kopfhaar ist durchweg betont, die Scham meistens, beides aber derart dezent, dass der Eindruck von Aufdringlichkeit souverän vermieden wird.

Mit wenigen Strichen wird etwa ein Fenster oder eine Lampe angedeutet, und schon hat man den Beweis für die These vor sich, dass Reduktion das Geheimnis großer Kunst sein kann: Das Motiv ist klar bestimmt, dass der Betrachter es identifizieren kann, die Darstellung lässt aber hinreichend Spielraum für eigene Assoziationen.

Immer wieder begnügt sich Bohrmann mit Andeutungen. Ein horizontaler blauer Ölkreiden-Strich, darüber ein roter, ein paar kurze Vertikale, oben ein wenig verschmiert – schon tuckert da ein Dampfer über das Wasser. Ob das ergänzende Kugelschreiber-Gekrakel schon vorher da war oder hinzugefügt wurde, spielt letztlich keine Rolle; entscheidend ist vielmehr, dass es eine Spur abstrakter Dynamik ins Spiel bringt.

Auch collagierte Elemente gibt es bei Bohrmann, etwa in der Serie der roten Bäume auf rotem chinesischem Papier, die gängigen Gesetzen in der bildenden Kunst zu widersprechen scheint: Ausgiebiger Gebrauch der dominanten Farbe Rot gilt gemeinhin als verpönt, weil dadurch schnell eine gewisse Penetranz entstehen kann – doch dieser Meister der feinen Balance umschifft solche Gefahren mit größter Gelassenheit.

Die Ausstellung ist bis zum 12. Januar in der Galerie Koch, Königstraße 50, in Hannover zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags, 10 bis 18 Uhr, und samstags, 10 bis 14 Uhr.

Von hmtmh Hochschule für Musik Theater und Medien Hannover

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