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Kultur Ausstellung im Kunstverein Hannover: Über Wahrnehmung austauschen
Weltgeschehen Kultur Ausstellung im Kunstverein Hannover: Über Wahrnehmung austauschen
13:53 15.01.2014
Die Dreikanalinstallation „Locomototive“ ist eines der Werke aus der Ausstellung von Christoph Girardet und Matthias Müller, - die zurzeit im Kunstverein Hannover zu sehen ist. Quelle: Kunstverein Hannover
Hannover

Hannover. Das Gedächtnis mischt die Geschichten: diejenigen, die wir erlebt haben, jene, die wir uns gegenseitig erzählen. Dazu gehören auch Filme, an deren Zeit sich einige von uns erinnern. Doch, was kennzeichnet eine Generation besser als die gemeinsame Erinnerung an einige Bilder?

Ganz anders die filmischen Gesamtkunstwerke von Christoph Girardet (*1966) und Matthias Müller (*1961), die im Kunstverein Hannover ihre gemeinsamen sogenannten Collagen vorführen, eigentlich eine Tautologie, denn gerade Spielfilme sind immer eine Collage – was die Kinobesucher jedoch selten merken. Wenn der erzählerische Bogen stimmt, fallen Schritte nicht mehr auf.

Gezeigt werden im Rahmen der Ausstellung „Tell Me What You See“ gemeinsame experimentelle Entwicklungen der Künstler, die vorwiegend altes Filmmaterial (found footage) „ausschlachten“ und zu intensiven Bildkompositionen und Filmcollagen kombinieren. Diese „Collagen“ haben ihre Wurzeln im Surrealismus, sind Reminiszenzen an Luis Bunuels und sicher auch Salvador Dalis „Andalusischen Hund“ von 1929, nachzuvollziehen. Die Filme von Girardet und Müller sind trotz (oder wegen) ihrer erzählerischen Tiefe generell antiillusionistisch und betont analytisch. In ihnen stecken nicht nur viele andere Filme, durch die man außerdem noch mehr über das Kino, seine Konventionen, seine Formen, erfährt.

Praktisch jedes dieser Werke konzentriert sich auf ein formales Grundmotiv: Bei „Contre-jour“ (2009) etwa drehten die Künstler ihr Material selbst – stehen Licht und Dunkel im Vordergrund; die Dreikanalinstallation „Locomototive“ (2008) wiederum kompiliert aus Zugszenen, feiert die choreographischen Möglichkeiten der Montage. Bei „Meteor“ (2011) Thema der Reise, sieht man Szenen von träumenden, verstörten Jungen, die mit Weltraumszenen aus dem Science-Fiction-Genre in einen Dialog treten, begleitet von Textfragmenten unterschiedlicher Märchen.

„Cut“ (2013) haben Girardet und Müller das jetzt erstmals gezeigte Werk betitelt. Wie so oft arbeitet hier das Duo mit Found Footage, der Rekombination gefundener Clips, die nun überwiegend dem Horrorgenre entstammen und kunstvoll zu einem Essay über Körper, Zärtlichkeit, Gewalt und Zerfall montiert wurden: zwölf Minuten Grauen, bei beklemmender Stille, der Schnitt durchs Auge und Ameisen, die aus einer Handtasche krabbeln, filmische Abgründe, die den Zuschauer die heile Welt um sich herum vergessen lassen.

„Tell Me What You See“, (Sag mir, was du siehst) soll sagen: sich durch die Übersetzung von Gesehenem in das gesprochene Wort über die eigene Wahrnehmung auszutauschen. Die Ausstellung läuft bis 16. März. Im Internet gibt es unter www.kunstverein-hannover.de weitere Informationen.

Von Klaus Zimmer