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Kultur Ausstellung im Museum August Kestner „Gegossene Götter“ zeigt einzigartige Exponate
Weltgeschehen Kultur Ausstellung im Museum August Kestner „Gegossene Götter“ zeigt einzigartige Exponate
20:49 05.02.2015
Bronze-Aufsatz für einen Holzstab: Widderkopf des Gottes Amun. Höhe: 10 cm. Ägypten um 500 v. Chr. Quelle: Christian Tepper
Hannover

Noch bis zum 22. Februar läuft die Ausstellung „Wer hat an der Uhr gedreht?“ Sie handelt von der Geschichte der Zeitmessung und ist genau genommen für Kinder konzipiert – dies allerdings so charmant, dass Erwachsene hier durchaus ebenfalls ihren Spaß haben und vielleicht sogar die eine oder andere Lernerfahrung machen können.

Das stets reizvolle Thema Ägypten ist dann vom 26. März bis zum 26. Juli angesagt. Die Schau „Gegossene Götter“ wird Metallhandwerk und Massenproduktion von bronzenen Figuren in einer groß angelegten Kooperation mehrerer Häuser behandeln, die jeweils einzigartige Stücke zu bieten haben. In der Bonner Sammlung etwa finden sich unbenutzte Gussformen für das Wachsausschmelzverfahren, die im Arbeitsprozess zerstört würden. Mit modernen Computertechniken hat man das figürliche Innenleben dieser Raritäten visualisieren können. Eine dieser Rekonstruktionen ähnelt frappierend einer Götterfigur aus der besonders umfangreichen hannoverschen Kollektion. Leipzig wartet mit seltenen Bronzeständern aus einer Grabfreilegung auf, und Weimar wird mindestens ein Stück aus der Goethe-Sammlung zur Verfügung stellen.

Wenn schon vom Dichterfürsten die Rede ist: Die Ausstellung „Mit spitzer Feder“, zu sehen vom 13. Mai bis zum 28. Juni, zeigt hochkarätige Autographen der Goethezeit aus der Sammlung des hannoverschen Druckereibesitzers und Kulturpolitikers Friedrich Georg Culemann (1811–1886). Während der Titel der Schau „Sitzen beim Papst“, die für die Zeit zwischen dem 4. Juni und dem 4. Oktober. geplant ist, nicht missverstanden werden sollte: Hier geht es um den Designer Walter Papst, der in den Nachkriegsjahren sehr spezielle Möbel unter Berücksichtigung neuer Werkstoffe und ergonomischer Aspekte entwarf.

Und da Design im Museum August Kestner schon lange eine herausragende Rolle spielt, gibt es vom 29. Oktober bis zum 17. Januar 2016 noch eins drauf: „ReFORMation“ heißt ein ungewöhnliches Gemeinschaftsprojekt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Die Grundfrage dabei: Wie kann man Reformationsgedanken gestalterisch greifbar machen? Ein schönes Beispiel liefert die Ankündigung gleich mit: Wurden so oft Glocken für kriegerische Zwecke eingeschmolzen, hat Sina Faikosch den Spieß umgedreht – und aus zwei Kilogramm Munition eine Glocke gegossen.

In der Schau „Verlebte Münzen“ schließlich kommen vom 17. September bis zum 10. Januar 2016 Numismatiker und Fotofreaks gleichermaßen auf ihre Kosten. Der US-Amerikaner Stephen Sack lichtet mit Vorliebe Münzen ab, die gerade nicht besonders prachtvoll daherkommen, sondern von anhaltendem Gebrauch gezeichnet sind. Beachtlich dabei die Zeitspanne: Mit antikem römischen Geld ist bei diesem Ansatz sicherlich zu rechnen, es sollen aber auch Fotos von ramponierten Euros zu sehen sein.

Von Jörg Worat