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Kultur Ausstellung in Hannover: Spannende Zeitreise durch die Kommunikation
Weltgeschehen Kultur Ausstellung in Hannover: Spannende Zeitreise durch die Kommunikation
22:13 12.11.2017
Blick in die Ausstellung, in der auch Jahrtausende alte Schriften (kleines Bild) zu sehen sind. Quelle: Museen für Kulturgeschichte Hannover (2)
Hannover

Eines der rund 400 Exponate stammt nicht aus den eigenen Beständen, und just dieses bildet den Auftakt: das anatomische Modell eines Zungenbeins, das sich beim Menschen vor rund 500.000 Jahren ausgebildet und eine ganz neue Form von Kommunikation ermöglicht hat.

Dahinter kristallisiert sich als besonders reizvoll etwa die Abteilung „Schrift“ heraus, in der man nicht nur Exponate aus mehreren Jahrtausenden zu sehen bekommt, sondern auch selbst Hand anlegen kann. Unter Anleitung gibt es etwa Keilschrift-Übungen mit Griffel und Tontafel, und amüsanterweise scheint das Tippen auf einer mechanischen Schreibmaschine, den dort hinterlassenen Botschaften zufolge, als kaum weniger exotisch empfunden zu werden.

Ein weiterer Raum heißt „Erhöre mich!“ und handelt von der Kommunikation mit dem Göttlichen. Hier findet sich unter anderem der berühmte „Fischbecker Kopf“, ein Reliquiar aus dem 3. Viertel des 12. Jahrhunderts. Nicht viel jünger ist ein bronzenes Taufbecken, und zu den größten Ausstellungsstücken gehört ein „Levitenstuhl“ aus dem 15. Jahrhundert, in katholischen Kirchen die traditionelle Sitzbank für Priester, Diakone und Messdiener – für alle, die sich immer schon gefragt haben, was es eigentlich bedeutet, die Leviten gelesen zu bekommen.

Ferner gibt es eine Art Meditationsraum mit nur zwei Exponaten. Eines davon ist eine Porzellantasse aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, auf der ein Auge, ein Ohr und ein mit dem Finger versiegeltes Lippenpaar abgebildet sind – mutmaßlich eine Symbolik der Freimaurer, bei denen die Verschwiegenheit stets eine besondere Rolle gespielt hat. Durch Stoffbahnen abgetrennt, birgt eine Zelle ferner das um 1906 entstandene Bild „Der Witwer“ von Heinrich Christoph Gottlieb Breling, das von stiller Trauer kündet – leider ist es nur eine Reproduktion des originalen Ölgemäldes, was die Wirkung doch spürbar trübt.

Unter dem Strich gibt es hier in der extravaganten Ausstellungsarchitektur des Schweizers Tristan Kobler überall Spannendes zu entdecken. Schön, dass man dafür viel Zeit hat – die Schau läuft bis zum 19. August 2018.

Von Jörg Worat