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Kultur Ausstellung zum 90. Geburtstag Emil Cimiottis im Sprengel Museum eröffnet
Weltgeschehen Kultur Ausstellung zum 90. Geburtstag Emil Cimiottis im Sprengel Museum eröffnet
13:04 18.08.2017
In der Ausstellung „Emil Cimiotti – Zum 90.“ zeigt das Sprengel Museum in Hannnover Werke des Künstlers. Quelle: Herling/Herling/Werner
Hannover

Denn Cimiotti, der an den renommiertesten Kunstereignissen von der Venedig-Biennale bis zur documenta teilgenommen hat und den viele Hannoveraner wohl vor allem durch seinen „Blätterbrunnen“ beim Kröpcke kennen, ist weit davon entfernt, die Hände tatenlos in den Schoss zu legen – vielmehr hat sich der Wolfenbütteler Künstler in fortgeschrittenem Alter sogar einem neuen Werkstoff zugewandt: dem Papier. Die nicht sonderlich große, aber exquisite Schau zeigt 15 dieser Arbeiten aus den Jahren 2016/17.

Wiewohl man Cimiotti in erste Linie mit Bronzen in Verbindung bringt, ist sein Stil schnell wiedererkennbar. Zum einen wirkten seine Werke mit den vielen Ein- und Durchblicken auch früher schon nicht so wuchtig, dass sie den Betrachter gleichsam erschlagen hätten – diese gewisse Leichtigkeit wird durch das Papier noch unterstützt. Zum anderen hat Cimiotti zwar nie die Natur direkt nachgebildet, entsprechende Einflüsse aber zugelassen. Sie finden sich auch hier, bei den etwas strengeren, symmetrischen Faltungen in Oberflächenstrukturen, die an Holz erinnern, bei den freier gestalteten Arbeiten mit ihren Verzwirbelungen. Drehungen und Knautschungen in den organisch verlaufenden Formen.

Ein neues Element, zumindest in dieser Ausprägung, ist die Betonung der Farbe. Die kann durchaus kräftig und satt herüberkommen, ohne dass sich indes jemals auch nur annähernd kakelige Wirkungen ergeben; gern versetzt Cimiotti farbliche Hauptakzente gleichermaßen in Harmonie und Spannung.

Klugerweise haben die Ausstellungsmacher diesen Arbeiten zwei ältere Bronzen gegenübergestellt, die sehr schön Bezüge und Entwicklungen deutlich machen. In „Confinboden/Fluss“ wird die horizontale Dynamik betont, die „Pyramide“ mag vielleicht aus der Ferne massiv wirken, enthüllt aber beim Nähertreten alsbald die oben beschriebene Öffnung der Struktur.

Sehr zu empfehlen ist der Katalog (64 Seiten, 19 Euro), nicht zuletzt wegen der von der Kunsthistorikerin und Cimiotti-Lebenpartnerin Christa Lichtenstern zusammengestellten Zitate. Da findet sich eine Fülle von wunderbaren Aussagen: „Man hält oft meine Plastiken für extreme Formulierungen“, schrieb Cimotti etwa 1960. „Das ist nicht richtig. Meine Plastiken sind entschieden, aber nicht extrem. Es sind die Ergebnisse aus normalen Kämpfen, normalen Verzweiflungen und glücklichen Funden von jemandem, der sich ziemlich weit auf die Sache eingelassen hat.“

Von Jörg Worat