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Kultur Boogie-Woogie in rasantester Form
Weltgeschehen Kultur Boogie-Woogie in rasantester Form
19:09 06.11.2018
Von Jürgen Poestges
Jürgen Wippich (links) übergab die Leitung von "Kultur Querbeet" an seinen Nachfolger Carsten Dapper. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

An diesem Sonntagabend gab es gleich zweimal Grund für stehende Ovationen im Großen Saal der Celler Congress Union. Axel und Torsten Zwingenberger boten einen mehr als virtuosen Boogie-Woogie-Abend an Klavier und Schlagzeug. Und Jürgen Wippich, der große Macher der Celler Musikszene und Chef von „Kultur querbeet“, wurde verabschiedet und übergab den „Staffelstab“ in Form von einem Bund Möhren an Carsten Dapper – „weil ich ja deinen asketischen Lebensstil kenne“, sagte Wippich mit einem Augenzwinkern.

Und als sich die Zuschauer erhoben, um Wippich mit Applaus zu verabschieden, da war es eigentlich wie immer: Der Mann, der vor 36 Jahren das erste Jazz-Konzert in Celle veranstaltete – mit eben jenem Torsten Zwingenberger übrigens – zog sich nach einem kurzen Winken wieder in den Hintergrund zurück.
„Ich bin sicher, Jürgen wird der Celler Musikszene erhalten bleiben. Dafür ist er viel zu verliebt in den Jazz“, meinte Axel Zwingenberger und erklärte: „Wir sind sehr stolz, dass wir an diesem Abend dabei sind.“

Was die beiden Brüder über knapp zweieinhalb Stunden musikalisch inszeniert haben, war Blues, Swing und Boogie-Woogie vom Allerfeinsten. Hier der ältere Bruder Axel, dessen Finger über die Tasten rasten, dass man sie fast nicht mehr sehen konnte. Und da Torsten hinter seinem Schlagzeug, das viel mehr war als „nur“ die rhythmische Begleitung. Er versteht sein Schlagzeug-Kit als eigenständiges Instrument, das er beherrscht wie kaum ein anderer.

Die beiden können getrost als die Pioniere der deutschen Boogie-Woogie-Szene bezeichnet werden. Man muss sich schon einlassen auf das Stakkato der Piano-Tasten. Der 63-jährige Hamburger fand immer neue Improvisationswege durch die Stücke. Mal war es der „Saint Louis Blues“ von W.C. Handy aus dem Jahr 1914. Mal waren es seine eigenen Kompositionen wie „Little Eva’s Dance“. Oder Songs, die er mit seinem Bruder Torsten geschrieben hat, so zum Beispiel „Mo a Beat“, eine Anspielung auf den Berliner Stadtteil, in dem der Schlagzeuger wohnt und sein Tonstudio hat.

Es war faszinierend, wie sich die beiden an ihren so unterschiedlichen Instrumenten immer wieder die Rhythmen zuwarfen, wie der eine auf eine Tempo-Änderung des anderen reagierte.

Torsten, noch jugendliche 59 Jahre alt, hatte seinen Part vor allen Dingen beim „Honky-Tonk-Train-Blues“. Das Anfahren eines Zuges aus der guten alten Zeit mit einer Dampflok, nachgestellt mit einem Schlagzeug – das hört man sicherlich nicht jeden Tag. Höhepunkt des Abends war aber ohne Zweifel „African Groovin'“. Von einer Tournee aus Afrika hat er zahlreiche Rhythmus-Instrumente mitgebracht, die alle zum Einsatz kamen. So führte er die Besucher durch Savanne und Buschland nur mit Rhythmus – unübertrefflich. Das war ein mehr als würdiges Abschiedskonzert für Jürgen Wippich.

Im Übrigen gab es zum ersten Mal in der langen Zeit von „Kultur querbeet“ ein Vorkonzert – aus Verbundenheit Wippichs mit der hiesigen Jazz-Szene, aber auch als Reminiszenz an den „Neuen“. Die Bigband des KAV-Gymnasiums, in der Dapper, Jahrgang 1983, selbst gespielt hat, hatte unter der Leitung von Rudolf Markfort einen großartigen Auftritt. Seit 28 Jahren steht Markfort jetzt der Band vor – und hat schon so manchen Musiker gefördert. „Fly Me to the Moon“, „Birdland“ oder „Just the Way You Are“ brachten die jungen Musiker in sehr schönen Versionen.

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