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Kultur Ballett gewaltig wie ein Blitzschlag des hannoverschen Staatsballett
Weltgeschehen Kultur Ballett gewaltig wie ein Blitzschlag des hannoverschen Staatsballett
16:15 17.01.2017
Hannover

Ganz unterschiedlich setzen sich die Choreografen Georg Reischl, David Blázquez und Yaron Shamir mit dem Song auseinander und betonen die Bewegungssprache des Balletts. Gleichzeitig geben sie ein Zeugnis für die Vielfalt des zeitgenössischen Tanzes. Langer, kräftiger und zum Teil begeisterter Beifall des ausverkauften Hauses war der verdiente Lohn.

„Zeitsprünge“ nennt Reischl seinen schwungvoll getanzten Beitrag, in dem er sich tänzerisch dem Lied, der Arie und dem Song aus unterschiedlichen Epochen widmet. Ganz im Sinne seiner Auffassung, dass in Bob Dylan‘s Song die Aufforderung, spontan eine Entscheidung zu treffen, als Thema hat, geht er spielerisch mit der Vorlage um, ohne sich durch festgeschriebene, absolute Formen einengen zu lassen. Vielmehr obliegt es der Entscheidungskraft der Tänzer, mit dem Material und an die Situation angepasst, umzugehen.

Auf den realen Schauplatz der Bühne verweist die Choreografie „450m2“ des Hannoveraners Blázquez, der seit mehr als elf Jahren dem Ballettensemble der Staatsoper angehört. Die Bühne hat unzählige Begegnungen gesehen. Eine Frau trägt die Erinnerungen in sich, kennt die Zusammentreffen und Trennungen, Liebe, Schmerz, Hoffnungen und Enttäuschungen. Kann man das Erlebte ändern und die Geschichte umschreiben? Eine Choreografie, die viel tänzerischen Ausdruck verlangt.

Shamir schließlich war vier Jahre Offizier der israelischen Armee, bevor er seine künstlerische Karriere als Tänzer begann und sie seit 2009 auch als Choreograf fortsetzt. Mit „Into the Flash“ setzt er den Fokus seiner Choreografie auf den einen entscheidenden Moment, der alles verändert, plötzlich und gewaltig wie ein Blitzschlag. Bis zur nächsten Herausforderung. Eine Choreografie, die die gesamte Kraft des Ensembles herausfordert und glänzend bewältigt wird. Der starke Schlussbeifall galt allen Choreografien und Tänzern gleichermaßen.

Von Hartmut Jakubowsky