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Kultur Bestes Orchester weit und breit spielt interessantes Programm
Weltgeschehen Kultur Bestes Orchester weit und breit spielt interessantes Programm
12:36 17.01.2014
Bremen

Ein wenig relativiert sich die auffallend seltene Anwesenheit von Järvi, wenn man weiß, dass er wohl die eine oder andere Tournee mit dem so viel gelobten Orchester unternehmen wird. Davon lebt dieses Orchester ganz wesentlich. Die Kammerphilharmonie Bremen ist nämlich sicherlich inzwischen einer der bedeutendsten kulturellen Exportartikel Norddeutschlands, wenn nicht gar ganz Deutschlands. Und inzwischen ist absehbar, dass der Stern der Kammerphilharmonie auch bald in der Musikhauptstadt Wien leuchten wird, denn im Theater an der Wien wird im Rahmen der Wiener Festwochen die Furore gemacht habende Produktion von Mozarts „Cosi fan tutte“ aus Madrid mit der Bremer Kammerphilharmonie Anfang Juni diesen Jahres mehrfach zu erleben sein.

Im anstehenden Jahr stehen in Bremen wieder eine Reihe höchst spannender Konzerte auf dem Programm, wobei der ganz besondere Reiz häufig nicht im Programm an sich besteht, sondern in der Tatsache, wer welches Programm dirigiert. Am 20. Januar trifft der dirigierende russische Pianist Mikhail Pletnev mit seiner Vorliebe fürs Romantische auf den jungen Pianistenpoeten Rafal Blechacz. Für dieses Konzert dürfte es aber genauso hoffnungslos sein, Karten zu bekommen wie für das erste, dreimal eingeplante Konzert Paavo Järvis (6., 7., 9. März) mit Werken von Schumann, Mozart und Brahms. Wenn Ivor Bolton am 24. und 25. März zwei Sinfonien von Mendelssohn dirigieren wird, sind die Chancen auf Karten vielleicht zumindest ein wenig größer.

Ein höchst ungewöhnliches Programm ist am 26. Mai zu erwarten, wenn neben Werken von Dvorak und Janacek ein Konzert von Erwin Schulhoff für die ungewöhnliche Besetzung von Streichquartett und Orchester zu hören sein wird. Eine inzwischen beliebte Konstellation ist die Kombination von Haydn und Schostakowitsch am 20., 23. und 24. Juni. Bei diesen Konzerten wird der aus Hannover zu großer Bekanntheit aufgestiegene Pianist Igor Levit zwei Klavierkonzerte spielen. Anfang Oktober wird dann der zweite Abend mit Järvi folgen. Am 2., 5. und 6. Oktober werden Werke von Beethoven, Strauss und Brahms zu erleben sein. Ganz spannend dürfte es am 20. Oktober werden, wenn David Fray vier Klavierkonzerte Bachs von seinem Instrument aus leiten wird. Da Fray eher für eine romantische Sichtweise der Stücke steht, die Kammerphilharmonie grundsätzlich aber eher die historisch informierte Spielweise bei diesem Repertoire praktiziert, könnte das eine besonders spannungsvolle Sache werden. Einen Monat später dann dirigiert ein Vertreter der Alten-Musik-Szene, Trevor Pinnock, unter anderem Franz Schuberts große C-Dur-Sinfonie, ein Urbild romantischen Musizierens. Auch da dürften Welten aufeinanderprallen und nicht vorhersehbar sein, wie das klingende Resultat ausfallen wird. Dass die instrumentale Qualität stimmen wird, dafür dürfte die Kammerphilharmonie schon Garant sein.

Von Reinald Hanke