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Kultur Bewegungen voller Energie und Dynamik
Weltgeschehen Kultur Bewegungen voller Energie und Dynamik
20:35 07.04.2013
Wolfsburg

Und was macht deren Reiz aus? Der Ort? Der Veranstaltungsraum im „KraftWerk“ hat fraglos etwas Gediegenes, über das Drumherum mit den metallenen Klapperstiegen und der penetranten Beleuchtung kann man durchaus streiten. Die Choreographien? Werden fast immer frenetisch bejubelt, doch auch hier scheint Kritik öfters mal angebracht. So wie bei der Deutschlandpremiere von „If At All“ mit der israelischen „Kibbutz Contemporary Dance Company“.

Die guten Nachrichten vorab. Eine physisch präsentere Tanzgruppe wird man kaum finden, die Energie und Dynamik der Bewegungen ist phänomenal. Es mangelt der Choreographie von Rami Be‘er auch nicht an Abwechslung. Da finden sich Soli wie Gruppentänze, konzentrierte und ausladende Bewegungsfolgen. Mal wird der Bühnenraum voll ausgenutzt, mal gibt’s einen Tanz im Knien. Zu alledem kommt eine raffinierte Lichtregie, die den Raum immer wieder neu definiert.

Leider geht jedoch eine irgendwie nachvollziehbare Gesamtdramaturgie flöten. Kaum ein Ansatz kann sich richtig entfalten, bevor er von einem neuen konterkariert wird, wodurch die Choreographie schnell anstrengend und insgesamt deutlich länger wirkt, als sie mit ihren gut 60 Minuten tatsächlich ist. Der Soundtrack aus Musik, Klängen und Sprache ist irgendwann vor allem nervig, und die ständige Wiederholung der Formulierung „Our last lost chance“ steigert weit eher den Unmut als die Intensität.

Also einmal mehr das Fazit: Wer die große Dröhnung und Virtuosität um der Virtuosität willen liebt, wird hier bestens bedient. Wer eine ausgewogene Spannung, ein klingelfreies Ohr oder gar so etwas wie den Ansatz einer Geschichte bevorzugt, muss sich wohl woanders umschauen.

Von Jörg Worat