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Kultur Bewegungskunst und Lebensfreude bei Movimentos
Weltgeschehen Kultur Bewegungskunst und Lebensfreude bei Movimentos
17:00 11.04.2016
T Quelle: Sebastian Gollnow
Wolfsburg

Diesen Eindruck jedenfalls konnte man bei der Eröffnungsveranstaltung im alten Heizkraftwerk mit der Compagnie José Montalvo vom Théâtre National de Chaillot in Paris gewinnen. „Y Olé“ nennt der Choreograf seine Deutschlandpremiere. Ein restlos begeistertes Publikum bejubelte am Ende die Tänzer und Tänzerinnen mit minutenlangem Beifall und mit stehenden Ovationen.

Vor einer großen Videowand mit sich ständig wandelnden, sehr poetischen Projektionen, die das tänzerische Geschehen stimmungsvoll intensivieren, entwickelt Montalvo ein rasantes Feuerwerk aus Bewegungslust und Lebensfreude. Dabei scheinen seiner choreografischen Ideenvielfalt kaum Grenzen gesetzt. In unifarbenen Kostümen wirbeln seine sechzehn Tänzerinnen und Tänzer mit artistischer Leichtigkeit über die Bühne, verharren in Posen, die gegen alle Gesetze der Schwerkraft gerichtet scheinen, und fügen sich zu einer Einheit zusammen, die trotz aller Akrobatik – und das ist das Erstaunliche daran – immer noch leichtfüßiger, ausgeprägter und stets geschmeidiger Tanz bleiben.

Dabei hat José Montalvo zu Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ als Hommage an den Frühling und die Liebe im ersten Teil und zu Tango, Flamenco und modernem Pop als Hinweis auf lebensfrohe Feste in der Kindheit im zweiten Teil unterschiedliche Tanzstile aus verschiedenen Kulturen und Zeiten zu einer einheitlichen künstlerischen Aussage verwoben. Sie zeigt, wie Fremdes im Eigenen aufgenommen und verankert werden kann, ohne dass eins von ihnen aufgegeben werden muss.

Elemente des klassischen Balletts und der frühen Moderne, des Breakdance und des Hip-Hop, der knallenden Staccatos in den „Zapateadas“ des Flamenco und von afrikanischen Ausdrucksformen ergeben eine tänzerische Symbiose, die mitreißt und zusammen mit der Musik mit ihren abrupten Brüchen und Dissonanzen überraschend stimmig wirkt. Ein durch und durch grandioses Tanzerlebnis, das Vorfreude auf kommende Tanzereignisse aufkommen lässt.

Als nächstes Ensemble ist vom 14. bis zum 16. April die französische „Compagnie La Baraka“ mit einem der faszinierendsten Kapitel des Alten Testaments, auch „Gesang der Gesänge“ genannt, als Deutschlandpremiere in der Autostadt zu sehen.

Von Hartmut Jakubowsky