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Kultur Botis Seva ist Gewinner des Abends
Weltgeschehen Kultur Botis Seva ist Gewinner des Abends
17:27 15.06.2016
Hannover

Rund 160 Einsendungen hatte es beim überregional renommierten Wettbewerb gegeben, der den Startschuss für so manche Karriere dargestellt hat. Die Vorjury wählte 20 Produktionen für das Halbfinale aus, von denen neun in die Endrunde einzogen. Die Kriterien haben sich in 30 Jahren kaum verändert: Die Choreografen dürfen nicht älter als 35 sein und sollen eine professionelle Ausbildung haben. Ein Solo dürfen sie nicht selbst tanzen, und die Dauer des Beitrags muss zwischen fünf und zwölf Minuten betragen.

Viele nutzten diese Länge voll aus, doch niemand kam derart auf den Punkt wie Seva, dessen Choreografie zwar sechsmal länger dauerte als die titelgebenden 60 Sekunden, damit aber die kürzeste im Finale war. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal stellte die Anzahl der Akteure dar: Nur hier waren es fünf, und dieses Quintett in seinem unspektakulären Outfit spielte sich untereinander wunderbar den Ball zu, erzeugte eine stimmige und detailreiche Bewegungsfolge, die keinerlei nachvollziehbare Geschichte erzählte und gleichwohl voll überzeugte. Der Lohn waren der erste Preis der Hauptjury und 6000 Euro, der mit 1000 Euro datierte Publikumspreis und einer der Produktionspreise: Die Tanja-Liedtke-Stiftung vergab zum ersten Mal ein dreiwöchiges Stipendium beim Australian Dance Theatre in Adelaide.

Doppelt erfolgreich war der Pole Maciej Kuzminski mit „Dominique“, wohl nicht zufällig die weibliche Form des Tänzernamens Dominik Wiecek. Um Geschlechterrollen ging es in diesem hochvirtuosen, aber überlangen Stück, in dem Wiecek unter anderem eine Modenschau persiflierte – mit wenigen Handgriffen wusste er sein schwarzes Gewand in immer neuen Variationen zu präsentieren. Dafür gab es den zweiten Preis (3000 Euro) und den Scapino-Produktionspreis. Die „Bronzemedaille“ und 2000 Euro gingen an „00:01” des Chinesen Zibo Geng, einen männlichen Pas de deux um einen Autoreifen, kämpferisch bis hin zur Brutalitätsgrenze, aber in sich geschlossen.

Genau daran mangelte es oft, gar zu viel Fragmentarisches wurde geboten. So freute man sich über eine derart originelle Idee, wie sie Paul Hess aus Trier hatte: Er ließ Luiza Braz Batista zum Live-Kommentar eines Sportreporters eine Darbietung des Dressurpferdes Totilas vertanzen. Das war ziemlich lustig – und attraktiv genug, dass dafür der Produktionspreis des Bundesjugendballetts heraussprang.

Von Jörg Worat