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Kultur Buchbinder setzt Maßstäbe
Weltgeschehen Kultur Buchbinder setzt Maßstäbe
21:45 08.04.2013
Hannover

Es war der dritte Abend mit Beethoven-Sonaten und Rudolf Buchbinder am vergangenen Sonntag in Hannover. Zuerst spielte Buchbinder drei unbekanntere Sonaten, danach die berühmte „Hammerklavier-Sonate“.

Die frühe F-Dur-Sonate op. 10/2 wird gar zu gerne zu den leichtgewichtigen frühen Werken gezählt und dann auch entsprechend gespielt. Fast immer ist das unbefriedigend. Nicht so bei Buchbinder. Er nimmt das Stück vom ersten Moment an als Ausdruck der schon früh ausgereiften Persönlichkeit Beethovens. Die Übergriffe der rechten Hand in den Bass haben eine Kraft, die dem inneren Furor dieser Musik entsprechen. Und die Tempoproportionen wirken so organisch als ob das Stück nicht anders gespielt werden könnte.

Danach die G-Dur-Sonate op. 31/1, ein Stück, das fast so beginnt als ob Beethoven hier eine Improvisation niedergeschrieben hat. Er fängt mit der rechten Hand an. Und kaum hat er den ersten Ton gespielt, fällt ihm ein wie er mit der linken Hand die rechte ergänzen könnte. Und dann nimmt er diese kleine Verzögerung vom Anfang, versteht das als eigenständige Idee und baut daraus ein rhythmisches Motiv, das er wie Hammerschläge verarbeitet. Irgendwann löst er das Ganze dann in die Spielfigur eines über viele Oktaven gebrochenen Dreiklangs auf, um diesem dann ein weiteres Thema folgen zu lassen, das wie ein überdrehter derber Bauerntanz wirkt. Das Ganze geht, auch dank des von Buchbinder gewählten rasenden Tempos, so schnell vorbei, dass man kaum seinen Ohren traut, wenn man kurz drauf von weiteren genialen Einfällen Beethovens überrumpelt wird. Wie Buchbinder das herüber bringt, das lässt nur an einen Vergleich denken, nämlich an den des legendären Friedrich Gulda. Aber Buchbinder ist alles andere als eine Kopie Guldas. Er spielt so eigenständig wie kaum ein anderer Beethoven-Interpret, jedoch drängt sich Buchinder nie als Persönlichkeit in den Vordergrund, sondern lässt Beethoven seinen solitären Rang. Sein glasklares, bis ins letzte Detail durchgestaltetes Spiel suggeriert dem Hörer, dass man gerne über Beethoven staunen möge, aber nicht über dessen Interpret Buchbinder.

Den langsamen Satz geht Buchbinder unerwartet schnell an. Den Schlusssatz danach nimmt Buchbinder relativ schwer, treibt ihm damit das scheinbar Harmlose aus. Und man staunt: So wirkt diese Sonate endlich einmal als Ganzes in sich schlüssig. Wahrlich unerhört. Dass ihm danach die Fis-Dur-Sonate op. 78 ähnlich gut gelingt, sei noch erwähnt. Genauso wie die Tatsache, dass sich bei der „Hammerklaviersonate“ nicht mehr ganz so die Genialität Beethovens vermittelte wie bei den drei anderen Sonaten. Trotzdem ein großartiger Abend.

Von Reinald Hanke