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Kultur Claire Huangci: Pianistin mit großer Zukunft?
Weltgeschehen Kultur Claire Huangci: Pianistin mit großer Zukunft?
09:48 08.06.2016
Pianistin mit riesigem Potential: Claire Huangci gab ihr Abschlusskonzert in Hannover. Quelle: Ralph Lauer
Hannover

Mit Claire Huangci war nun das Abschlusskonzert einer Pianistin zu erleben, das zunächst Ausschnitte aus ihren zu Recht viel gelobten CDs mit Werken von Scarlatti und Prokofiew brachte und dann mit Chopin-Stücken romantisches Virtuosenrepertoire bot. Der außerordentlich positive Eindruck der beiden CDs bestätigte sich, aber nur teilweise.

Wenn es doch nicht mit der großen Karriere klappen würde, dann würde das auf keinen Fall an Huangcis Technik liegen. Sie kann technisch nämlich alles, was man sich nur vorstellen kann. Sie demonstriert das auch gerne. Und da beginnt das Problem: Gar zu gerne nutzt Huangci die Werke für ihren Darbietungsdrang, der allerdings immer mit einem angenehmen Understatement daher kommt. Trotzdem: Manche Passage sowohl bei Chopin, aber sogar auch gelegentlich bei Scarlatti, würde mit mehr Mut zur Schlichtheit, zum ruhigen, natürlichen Geschehenlassen viel stärker wirken als das an diesem Abend zu erleben war.

Natürlich fasziniert ihr ungemein kraftvoller, rhythmisch prägnanter, manchmal aber auch arg donnernder Zugriff auf Chopin. Auch hat Huangci die Fähigkeiten Steigerungen zu spielen, wie man es nur selten erleben kann. Aber diese Steigerungen wirkten immer wieder aufgesetzt und spannungslos. Und damit fehlt ihrem Spiel letztlich die Ausdrucksintensität, die ihr Spiel wirklich erstklassig machen würde.

Huangci ist noch keine Pianistenpersönlichkeit, aber sie hat zweifelsfrei ein riesiges Potential dazu.

Von Reinald Hanke