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Kultur Darstellerische Glanzleistung bei Premiere von „Der Vorname“
Weltgeschehen Kultur Darstellerische Glanzleistung bei Premiere von „Der Vorname“
13:40 09.12.2013
Janko Kahle als Claude und - Hagen Oechel als Vincent in dem Stück „Der Vorname“. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Der Immobilienmakler Vincent, zu Besuch bei Literaturprofessor Pierre und dessen Ehefrau Elisabeth, sorgt für Befremden, indem er den künftigen Namen des noch ungeborenen Sohns verrät: „Adolphe“ soll der Knabe heißen. Man debattiert über Geschichte im Allgemeinen und Hitler im Besonderen, doch der Streit driftet zunehmend ins Persönliche. Der Musiker Claude, ebenfalls zu Gast, wartet nach einer üblen Beleidigung seinerseits mit einer überraschenden Enthüllung auf. Dass zwischendurch Vincents schwangere Gattin Anna eingetroffen ist, macht die Sache nicht besser – auch sie hat einiges Gift zu versprühen.

Bühnenbildner Jo Schramm hat für diese Turbulenzen eine etwas überfeinerte Innenarchitektur mit großzügigem Panoramablick nach draußen entworfen. Regisseur Tom Kühnel scheint den Pointen nicht genug zu trauen, um auf einige choreographische Verfremdungen zu verzichten: Da bewegen sich die Darsteller auf ein entsprechendes Stichwort hin plötzlich wie in einer Modenschau, oder Vincent zitiert den Tanz mit dem Weltkugel-Ballon aus Charlie Chaplins Hitler-Satire „Der große Diktator“.

Ob das alles zwingend nötig wäre? Eigentlich braucht man für derart geschliffene Pointen vor allem gute Darsteller, und die sind vorhanden. Mathias Max Herrmann zeigt gerade durch das richtige Maß an Understatement eine Glanzleistung als vorgeblich liberaler, in Wirklichkeit arg verbiesterter Professor. Hagen Oechel rüpelt sich genussvoll durch die Rolle des Vincent, dessen Ehefrau gibt Sarah Franke einen Schuss Schlampenhaftigkeit mit. Janko Kahle eiert als Claude schön nervig herum, und Carolin Eichhorst lässt die Elisabeth am Schluss völlig austicken – fast unglaublich, dass die Darstellerin bei dieser Monstertirade nicht aus der Puste kommt. Dafür gibt’s zu Recht Szenenapplaus.

Überhaupt ist der Jubel an diesem Abend groß – ketzerisch mag man fragen, ob dieser Punktsieg nicht etwas zu wohlfeil errungen wurde. Nun bleibt abzuwarten, was das Celler Schlosstheater aus dem Stoff macht: Dort hat das Stück am 21. Februar Premiere.

Von Jörg Worat