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Kultur Das Glück der Erde … Zossen, Rösser, Pferde in der modernen Kunst
Weltgeschehen Kultur Das Glück der Erde … Zossen, Rösser, Pferde in der modernen Kunst
16:32 25.01.2017
Hannover

Sämtliche Exponate stammen aus der Sprengel-Sammlung: „Rund 600 Arbeiten standen bei diesem Thema zur Auswahl“, sagt Kuratorin Karin Orchard. „Für 120 davon habe ich mich schließlich entschieden und nach verschiedenen Rubriken sortiert.“ Vertreten sind mannigfache Medien von Skulptur über Fotografie bis zu Malerei, den Schwerpunkt bilden allerdings Graphiken und Zeichnungen. Das gesamte 20. Jahrhundert wird abgedeckt, mit ein paar Ausreißern in die etwas ältere beziehungsweise jüngere Kunstgeschichte.

Zum Auftakt geht es gleichsam um das Pferd ohne Mensch, das animalische Moment, wie es gern in Mythen und Märchen dargestellt wurde. Marc Chagall darf hier natürlich nicht fehlen, für Franz Marc war das Tier der Inbegriff der Reinheit. Auch Picasso band das Motiv gern in seine Darstellungen ein, nicht selten in erotischem Kontext.

Im weiteren Verlauf stößt man dann auf die „Pferdehölle“ – dieser Raum widmet sich der Dressur, dem Stierkampf, dem Krieg und anderen negativen Aspekten im Umgang mit den edlen Rössern. Gewohnt drastisch stellt Otto Dix, der den Ersten Weltkrieg hautnah an der Front erlebt hatte, auf einer Radierung einen Pferdekadaver dar, eine andere desselben Künstlers zeigt das Tier bei einer Indianerschau im Zirkus.

Die letzte Abteilung repräsentiert die langsame Ablösung des Pferdes als Nutztier durch Maschinen, die in ihrer vollen Ausprägung erst in den 50er Jahren und somit später als gemeinhin vermutet einsetzte. Hier ist etwas eine Mischtechnik von Carl Fredrik Reuterswärd mit einem behaarten Auto zu sehen, unter anderem neben Eisenbahn-Motiven der hannoverschen neusachlichen Maler Friedrich Busack und Ernst Thoms.

Ein besonders sympathischer Aspekt der Ausstellung ist, dass sie zwar zahlreiche große Namen zeigt, aber auch Exotisches: „Zum Beispiel unsere russischen Filmplakate“, wie Karin Orchard anmerkt. „Sehr seltene Stücke, die es in kaum einer Sammlung außerhalb Russlands gibt.“ Aber auch Fritz von Herzmanovsky-Orlandos skurrile Illustration zur Erzählung „Der Gaulschreck im Rosennetz“ oder die Metalldrucke von Rolf Nesch dürften eher den Insidern bekannt sein: „Manchmal“, gesteht Kuratorin Orchard, „bin ich selbst erstaunt, was wir alles in der Sammlung haben …“ Die Ausstellung läuft bis zum 23. April.

Von Jörg Worat