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Kultur Der ganz normale Wahnsinn: Popstar Madonna wird 60
Weltgeschehen Kultur Der ganz normale Wahnsinn: Popstar Madonna wird 60
12:35 16.08.2018
Madonna beim «Marsch der Frauen» in Washington (2017). Jetzt wird die Sängerin 60. Foto: Jose Luis Magana Quelle: Jose Luis Magana
New York/Lissabon

Ihr Umzug von New York nach Lissabon habe ihrem zwölfjährigen Sohn David gegolten, der in Europa professionell Fußball spielen will, sagte sie der Zeitschrift «Vogue» kürzlich. «Wie sich herausstellt, ähnelt die Pop-Sensation uns gewöhnlichen Leuten mehr als wir denken», schrieb die Website «E!News».60 Jahre wird Madonna Louise Ciccone am 16. August - und so wirklich normal war in ihrem Leben bisher nichts. In ihrer bunten Welt aus melodischem Pop, Dance und Electro-Erotik ist sie eine Art erwachsenes Mädchen oder kindliche Frau geblieben, die die Regeln ihrer Karriere vollkommen selbst zu diktieren scheint. Sie gilt als erste Frau, die als Popstar die komplette Kontrolle über ihre Musik und das eigenes Image erlangte.In den USA war Popmusik eine von Männern beherrschte Welt, als dem blonden Mädchen aus einem Vorort in Detroit, Michigan, der erste Hit gelang. «Everybody» landete 1982 in den Dance-Charts auf dem ersten Platz, die bald folgenden Singles «Holiday» und «Like a Virgin» sind heute Pop-Klassiker. Im ironischen Titel «Material Girl» klang bereits an, dass starke, selbstbestimmte Frauen zum Leitmotiv ihrer Laufbahn werden würden. Männer beherrschen den Markt auch heute, aber Madonna schlug darin eine sehr breite Schneise.Stylisch und sexy kam sie in ihren Musikvideos daher und zog sich für «Playboy» und «Penthouse» aus, ohne ihr Ansehen als Power-Frau einzubüßen. Jugendliche Mädchen kopierten den Look. Und als Madonna in einem 60 Millionen Dollar (52 Mio. Euro) schweren Vertrag Chefin der Time-Warner-Tochter Maverick wurde, bewies sie, dass sie als Geschäftsfrau ebenso viel reißen kann wie auf der Bühne zwischen ihren Tänzern. Die Rock and Roll Hall of Fame beschreibt Madonna heute als «vollständig befreite Frau, die das Leben nach ihren eigenen Regeln lebt».Dazu passte auch, dass Madonna in ihren (nicht allzu langlebigen) Ehen mit dem Schauspieler Sean Penn und später dem britischen Regisseur Guy Ritchie sehr unabhängig lebte. In Projekten mit männlichen Musikern - darunter Justin Timberlake, Pharrell Williams und Kanye West - hielt sie die Fäden ebenfalls in der Hand. Im Kampf um ihre Adoptivsöhne David Banda und Mercy James aus Malawi setzte sie sich durch und adoptierte im Frühjahr 2017 noch die Zwillinge Estere und Stella dazu. Mit den zwei leiblichen Söhnen Rocco und Lourdes zeigte sie sich im selben Jahr als alleinerziehende, stolze Mutter von sechs Kindern.Normal war auch nicht, dass Madonna neben dieser Großfamilie und ihren inzwischen 13 Alben (besonders erfolgreich waren «MDNA», «Ray of Light» und «Hard Candy») in etwa zwei Dutzend Filmen mitspielte. «Evita» und ihre Komödien «Susan... verzweifelt gesucht» oder «Who's That Girl» reichten an ihre Musik nicht heran. Die Rollen rückten sie selbst aber noch um einiges näher an ihr Idol Marilyn Monroe, als die sie auf der Titelseite der Zeitschrift «Vanity Fair» 1991 sogar posierte.Nach all diesem Wahnsinn, nach 335 Millionen verkauften Platten, sieben Grammys und mitunter polarisierenden Auftritten, ist Madonna aus dem Olymp des Pop nicht mehr wegzudenken. Einen vergleichbaren Einfluss hatten dort sonst vielleicht nur die (allesamt männlichen) Beatles, Elvis Presley und Michael Jackson. Im März 2015 listete das Guinness-Buch der Rekorde Madonna als Musikerin mit den meisten Plattenverkäufen weltweit. Gut möglich, dass auch eine Mariah Carey, Celine Dion, Whitney Houston oder Beyoncé in Teilen von Madonnas Strahlkraft zehrten.Aber selbst für Madonna Louise Ciccone, die sich für die italienische Ausgabe der «Vogue» zuletzt in schwarzen Kniestrümpfen auf einem Rasen räkelte, sind manche Dinge im Alltag eben doch ganz normal. Bei ihrem Umzug nach Europa habe sie zwischen Turin, Barcelona und Lissabon entscheiden müssen. Der Grund: Alle drei Städte haben Fußball-Akademien. Es war die Entscheidung einer «Soccer Mom», einer Fußball-Mama. Und wenn ihr Sohn dabei der nächste Cristiano Ronaldo werde, sei das halt ein «Sahnehäubchen».

Von Johannes Schmitt-Tegge, dpa

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