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Kultur Deutsche Popmusik dient als Vorlage für Fotografien
Weltgeschehen Kultur Deutsche Popmusik dient als Vorlage für Fotografien
12:19 27.10.2017
Der Fotograf Hans-Jürgen Burkard stellt in der Galerie für Fotografie seine Arbeit„An Tagen wie diesen“ aus. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Das Besondere dabei: Burkard, der vielen Fotofreunden durch seine langjährige Arbeit für „GEO“ und den „Stern“ ein Begriff ist, hatte den Auftrag, seine Deutschland-Impressionen mit Liedgut aus der hiesigen Popmusik in Verbindung zu bringen. Das komplette Projekt soll im kommenden Frühjahr in Buchform erscheinen, die Galerie zeigt eine üppige Zwischenbilanz.

Und was für eine. Manche Bilder könnten jeden Hobbyfotografen, der mit einer professionellen Karriere liebäugelt, veranlassen, seine Kamera zu verkaufen. Etwa die Kletterer an der Zugspitze, umschwirrt von Alpendohlen, die zum Teil weit in den Vordergrund fliegen und so eine ungeheure Bildtiefe vermitteln. Das Lied dazu, zitiert auf dem beigefügten Schild: „Fenster zum Berg“ von „Blumentopf“.

Oder das wunderbare Wimmelbild von Fußballfans, die es sich beim Public Viewing im Fußballstadion auf Sofas bequem gemacht haben – in der Farbwirkung wie gemalt. Soundmäßig hat man sich dabei „Fußballgott“ von „Fettes Brot“ vorzustellen. Eine feine Sache ist auch das Völklinger Doppelhaus, dessen eine Hälfte über und über mit funkelnden Weihnachtsdekorationen bedeckt ist. Der Song? „Nachbarn“ von Pe Werner.

Verbreitet geht es skurril zu, mal heiter wie bei der bei der Alemannischen Fastnacht aufgenommenen Gestalt, die sich als Tanzbär verkleidet hat („Das Tier“ von „Pur“), mal unbehaglich wie beim Thüringer Treffen der Militariafans, ausgestattet mit Ganzkörper-Schutzanzug und Gasmaske („Hurra die Welt geht unter“ von „K.I.Z.“). Und nach wie vor können Burkards Bilder auch hart sein, wie eine Aufnahme aus der offenen Drogenszene im Frankfurter Bahnhofsviertel beweist („Rotlichtmilieu“ von „Haftbefehl“).

Die Songbeispiele klingen ein wenig plakativ? Das ist in der Tat das Problem bei dieser Ausstellung – sie vermittelt gewiss ein facettenreiches Deutschland-Bild, und die herausragende Qualität der Fotografien steht außerhalb jeglicher Diskussion, aber es kann schon die ketzerische Frage auftauchen, ob die Unterfütterung mit den Liedtexten überhaupt nötig gewesen wäre.

Von Jörg Worat