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Kultur Doppelausstellung des Braunschweigers Kunstprofessors Wolfgang Ellenrieder
Weltgeschehen Kultur Doppelausstellung des Braunschweigers Kunstprofessors Wolfgang Ellenrieder
15:24 20.12.2016
Hannover

Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, weil Ellenrieder gekonnt mannigfache Kontraste in sein Werk einbaut. Vor allem denjenigen zwischen Fläche und Raum: Der Turm etwa, den der Künstler in das Treppenhaus der städtischen Galerie „Kubus“ gesetzt hat, ist unbestreitbar dreidimensional, die Oberflächenstrukturen gaukeln dies hingegen manchmal nur vor. Was wie Pappe aussieht, ist nicht selten ein Foto davon, eine Irritation, die noch verstärkt wird, wenn die Ablichtung auf echtem Karton fixiert ist. Raffiniert werden die Ausstellungsräume miteinbezogen, beispielsweise bei einer Bodenkonstruktion im Untergeschoss der „Galerie vom Zufall und vom Glück“.

In der Auswahl der Materialien ist Ellenrieder nicht zimperlich, zumal er gern das Banale mit dem vordergründig Edlen kombiniert. Holz, Pappe, Plexiglas, Blattgold und Pigmentdruck auf Forex - das ist eine Hartschaumplatte - weist etwa die Arbeit „Pusselflächen“ aus, ein passender, wenngleich etwas arg flapsiger Titel.

Das malerische Moment kommt in dieser Schau ebenfalls nicht zu kurz. Kaum verwunderlich, dass hier einmal mehr Grenzen ausgelotet werden – was ist bei diesen Darstellungen abstrakt, was konkret? Einige Naturassoziationen scheinen deutlich, man glaubt, Blätter oder Früchte zu erblicken. An anderer Stelle windet sich offenbar eine Schnur durchs Bild, doch so richtig zu fassen ist das alles nicht und verleitet gerade dadurch zum genauen Hinschauen.

Teilweise erinnert Ellenrieders Schaffen an Hannovers legendären „MERZ“-Künstler Kurt Schwitters, nicht nur durch die Einbindung architektonischer Ansätze, sondern auch in Hinblick auf kompositorische Fertigkeiten: Auf den ersten Blick mag das Werk bei beiden beliebig und willkürlich wirken, doch verbirgt sich dahinter eine sehr sorgsame Setzung – Ellenrieder weiß Form, Farbe und Materialtextur genau so zielsicher einzusetzen wie einst Schwitters. Und dass seine Ausstellung derart üppig ausfällt, hat gar nichts mit Overkill zu tun, sondern ist diesem Schaffen angemessen, weil hier ausnahmsweise Masse und Klasse synchron gehen. Das Auge sollte bei Ellenrieders Werk die Möglichkeit zu umfassender Differenzierung bekommen.

Von Jörg Worat