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Kultur Drei Programmpunkte mit Stärken beim Klangbrückenfestival
Weltgeschehen Kultur Drei Programmpunkte mit Stärken beim Klangbrückenfestival
16:54 11.05.2015
Claire - Huangci
Hannover

Den frischesten Beitrag gab’s gleich zu Beginn: „KIKIMU“, der Kinder- und Jugendchor der Marktkirche, hatte unter der Führung von Lisa Laage-Smidt eine durchaus anspruchsvolle Geräusch-, Bewegungs- und Gesangsperformance einstudiert. Anschließend kam vor allem das Hauptthema des diesjährigen Festivals zu seinem Recht, das Werk des Komponisten Olivier Messiaen (1908 bis 1992). Und alle drei diesbezüglichen Programmpunkte hatten ihre Stärken.

Besonders spektakulär fiel „Oiseaux exotiques“ für Klavier und Orchester aus, ein Werk, in dem der begeisterte Hobby-Ornithologe Messiaen zahlreiche Motive von Vogelstimmen untergebracht hat. Herausragend Solistin Claire Huangci, eine in Hannover lebende US-Amerikanerin mit chine-sischen Wurzeln, die einst im Alter von zehn Jahren ein Privatkonzert für Bill Clinton gegeben hat. Sie spielte den extrem schwierigen Part blitzsauber und leuchtete sorgsam alle Feinheiten aus – um einen derart differenzierten Anschlag dürften sie einige weit erfahrenere Kollegen beneiden.

Auch die beiden Messiaen-Stücke für Solo-Orgel gefielen: Marktkirchen-Organist Ulfert Smidt ließ „L’ascension II“ flirren, um abschließend bei „L’ascension III“ die volle Kraftentfaltung zu zeigen. Einen spannenden Kontrast bildete eine um 1360 entstandene „Estampie“ von hypnotischer Wirkung. Nicht ganz so zwingend und überlang fiel Perotinus’ „Viderunt omnes“ von 1198 im Zusammenwirken von Ensemble und Organist aus.

Thorsten Enckes Moderation war zweifellos inhaltlich interessant, geriet aber etwas arg gemütlich. Und von der Atmosphäre her wurde dies zu einem Konzert der höchst sonderbaren Art: Dass man in der Marktkirche mit Außengeräuschen rechnen muss, ist bekannt, der Bewegungsdrang im Publikum jedoch nahm teilweise schon kuriose Formen an – am ausgeprägtesten bei jenem Besucher, der sich während des musi-kalischen Vortrags erhob, um in aller Gemütsruhe die vor Ort aufgebaute Skulpturenausstellung abzuschreiten.

Von Jörg Worat