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Kultur Echte Begeisterung weckt Martin Stadtfeld erst mit der Zugabe
Weltgeschehen Kultur Echte Begeisterung weckt Martin Stadtfeld erst mit der Zugabe
21:57 11.03.2015
Hannover

Der Pianist war beim 2. Klavierkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy zu hören, und trotz manch gelungener Passage wurde es nicht wirklich eine Sternstunde der Tastenkunst. Stadtfeld präsentierte eine durchaus geschmackvolle und sehr seriöse Interpretation, doch gerade dieses Gediegene erwies sich als Hemmschuh. Schön, dass der Pianist das „appassionato“ im 1. Satz nicht zu übertrieben auslegte, dass er im vom Komponisten selbst als „Klavierfeuerwerk“ bezeichneten Finale selbstgefälliges Virtuosentum vermied, dass er nie das Orchester unterzubuttern suchte – aber etwas mehr Feuer, vielleicht sogar ein wenig Schwelgerei verträgt dieses Werk schon.

Es ist daher wohl kaum ein Zufall, dass Stadtfeld erst mit der Zugabe echte Begeisterung heraufbeschwor. Die höllisch schwierige Prokofjew-Toccata meisterte der Pianist nicht nur in technischer Hinsicht souverän, er wusste – und das ist hier der entscheidende Faktor – durchgehend auch den „Beat“ zu halten, durch den dieses Stück eine fast hypnotische Sogwirkung entfalten kann.

Den zweiten Höhepunkt des Abends servierte das Orchester. Nicht unbedingt beim flott hingelegten, aber wenig tiefgründigen Einstieg mit Giuseppe Verdis Ouvertüre zur Oper „Die Macht des Schicksals“. Sondern nach der Pause mit demjenigen Werk, das manche Klassikfreunde für das britischste überhaupt halten: Edward Elgars berühmte „Enigma-Variationen“. Die Komposition ist derart vielseitig, dass sie schnell den Gesamtzusammenhang verlieren kann, aber das wussten Dirigent Sir Mark Elder und seine hellwache Truppe zu verhindern. Es klang mal triumphal und mal sehnsüchtig, mal humorvoll und mal mit dem rechten Maß an Schmelz, mal zurückhaltend und mal mitreißend – und bei alledem immer rund. Die rhythmische Präzision geriet nur bei ganz genauem Hinhören hier und da einen Tick ins Wanken, und wenn in dieser stimmigen Kollektivarbeit überhaupt ein Musiker besondere Erwähnung verdient hat, dann höchstens der Solo-Cellist mit seinem schön ausbalancierten Ton.

Da schwirrten dann beim Beifall auch einige Bravos durch den Saal. Ein bisschen schade, dass der Zugabenteil nicht schon nach Elgars zartem, selten gespielten „Sospiri“ zu Ende war – das schmissige Mendelssohn-Scherzo verwässerte danach den Eindruck eher.

Von Jörg Worat