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Kultur Ein neuer "Sommernachtstraum"
Weltgeschehen Kultur Ein neuer "Sommernachtstraum"
19:47 19.01.2014
Die Schauspieler (von links) Daniel Nerlich, Daniel Christensen und Juliane Fisch - in einer Szene des „Sommernachtstraums“ von William Shakespeare. Quelle: Karl-Bernd Karwacz
Hannover

Welche neuen Ansätze kann man aus einem derart viel gespielten Stück wie Shakespeares „Sommernachtstraum“ noch herausholen? Derjenige von Regisseur Florian Fiedler war offenbar, dem Stoff jeglichen Zauber zu entziehen. Das ist ihm voll und ganz gelungen.

Schon rein äußerlich ist im Schauspielhaus nicht viel Magisches zu entdecken. Die Kostüme von Selina Peyer sind eher neutral-heutig, Maria-Alice Bahras Bühnenbild kommt weniger als verwunschener Wald daher denn als unklar definierter Innenraum mit Bar. Ferner finden sich Leiter und Seil, an denen die Darsteller herumklettern können, sowie eine Moddergrube, die sich zum Hineinfallen eignet, ob das alles nun Sinn macht oder nicht. Eher beliebig sind auch manche Videosequenzen eingesetzt, und die Musik/Sound-Effekte von Martin Engelbach haben zwar etwas Gefälliges, strotzen aber kaum vor Originalität.

Textlich gibt es eine Menge Eigenbau. Also wird hier „My Way“ geröchelt, dort debattieren die im Original sehr schlicht gestrickten Handwerker, die ein Stück im Stück proben, über Meta-Ebenen, die Relevanz von Kunst oder den Einbruch der Wirklichkeit ins Fiktive. Das ist durchaus amüsant, insbesondere Sebastian Schindegger als „Performer“ Niklaus Zettel legt bei seinen Erörterungen eine wunderbar affige Penetranz an den Tag. Offen bleibt indes, warum dergleichen noch das Etikett „Shakespeare“ trägt.

Da Regisseur Fiedler die Figuren nicht ernst genommen hat, stellt sich bei der Betrachtung keinerlei Empathie ein. Vereinzelt bleiben Darstellerleistungen trotzdem haften, so überzeugt Rainer Frank als Oberon und vor allem als punktgenau blasiert gezeichneter Theseus. Daniel Christensens Puck ist ein bebrilltes Etwas, ständig an der Grenze zur Überforderung und zumindest streckenweise mit einem gewissen schrägen Charme.

Allerdings ist er nicht immer gut zu verstehen und bildet damit an diesem Abend keine Ausnahme. Überhaupt wäre mehr Augenmerk auf handwerkliche Aspekte wünschenswert gewesen, so wirken etwa die Handgemenge – zu denen sich eine Verfolgungsjagd quer durch die Zuschauerreihen gesellt – nicht angemessen choreografiert. Das Hauptinteresse scheint jedoch eher eine Anhäufung von Gimmicks gewesen zu sein, deren Schlusspunkt Pucks Epilog bildet. Zu diesem Zeitpunkt sind über zwei Stunden vergangen, die durch das Fehlen einer Pause noch anstrengender werden. Eifrig beklatscht wird die Inszenierung, warum auch immer, gleichwohl, mit Ausnahme eines Buhs für das Produktionsteam. Jörg Worat

Von Jörg Worat