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Kultur Eindringliche Choreografie begeistert Publikum in der Autostadt
Weltgeschehen Kultur Eindringliche Choreografie begeistert Publikum in der Autostadt
12:39 15.05.2015
Wolfsburg

Wie in den Jahren zuvor brillierte das Cloud Gate Theatre im alten Heizkraftwerk der Autostadt auch jetzt wieder durch seine ausgeklügelte Choreografie und seine hohe Präzision, durch die kraftvollen Darbietungen in scheinbarer Leichtigkeit und durch die aufrüttelnde Aussagekraft seiner Bilder. Sanfte, fließende Bewegungen von Tänzern in weißen Gewändern, unterbrochen von schnellen Sequenzen mit Sprüngen im Stil asiatischer Kampfkunst – alleine, zu zweit und in Gruppen – beherrschen vor dem Video eines zunächst ruhig dahin strömenden Flusses die Szene in „White Water“. Raster aus grünen Linien legen sich über die Tänzer und den Fluss, dazu erklingen düstere Klavierakkorde von Erik Satie. Ein altes chinesisches Gleichnis über die drei Phasen des menschlichen Denkens liegt dieser Choreografie zugrunde, aber so richtig will sich deren Sinn nicht erschließen – trotz der präzise getanzten und sorgsam choreografierten Szenen. Da genügt es, den Tanz zu genießen.

Das ist anders in der zweiten Choreografie des Abends. „Dust“ erarbeitete Lin Hwai-min nach der Musik von Dmitri Schostakowitschs Streichquartett Nr.8 in c-Moll. Wie Vertriebene bewegen sich die schwarz gekleideten Tänzer über eine von dunklem Rauch erfüllte Bühne. Abgerissene, elende Gestalten, gezeichnet von Verfolgung, Unterdrückung, Vertreibung und vom unsäglichen Leid, das Menschen anderen Menschen zufügen. Ihre Gesichter spiegeln Entsetzen und Grauen. Die Situation wirkt ausweglos und wird bedrohlich, klaustrophobisch, schockierend. Ein getanzter Akt schreiender Verzweiflung und niederschmetternder Trauer in einer dichten Choreografie, wie man sie in dieser detaillierten Eindringlichkeit vielleicht noch nie gesehen hat. Sie bewirkt atemlose Spannung im Publikum. Da wirkt am Ende der stumme Schrei nach Frieden fast wie eine Erlösung. Standing Ovations.

Von Hartmut Jakubowsky