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Kultur Eine Neuheit und der Auftakt eines Abschieds
Weltgeschehen Kultur Eine Neuheit und der Auftakt eines Abschieds
12:23 06.10.2015
Hannover

Eine dankbare Aufgabe hatte die Dirigentin vor der Pause bei zwei Werken von Samuel Barber zu absolvieren, liegt ihr doch die Musik des US-amerikanischen Landsmanns besonders. Zunächst war das Orchesterwerk „Second Essay“ angesagt, das einen gesunden Mittelweg zwischen Intellekt und Süffigkeit beschreitet, modern wirkt, aber nicht vergrübelt. Die atmosphärische Interpretation wurde dem voll und ganz gerecht – ein feiner, nicht übermäßig beklatschter Konzerteinstieg.

Die Fieberkurve sollte bei Barbers Violinkonzert dramatisch ansteigen. Solist Nemanja Radulovic ist ein Showman, wie er im Buche steht, und macht auch nicht das geringste Hehl daraus. Dafür zeugt schon der Auftritt in modisch-flippiger Kleidung, und angesichts der wallenden Mähne kann man sich Sorgen machen, ob sich der Geigenbogen irgendwann darin verfangen wird, zumal Radulovic mit vollem Körpereinsatz zu spielen pflegt.

Show hin oder her, entscheidend bleibt der musikalische Gehalt, und auch da hatte der Violinist einiges zu bieten, neben herausragenden technischen Fähigkeiten vor allem einen extrem ausgeprägten Sinn für Dynamik: Die Begriffe „zart“ und „kraftvoll“ bekommen hier eine eigene Dimension. Allerdings litt im Eifer des Gefechts hin und wieder die Sorgfalt bei der Intonation, und als Zugabe wäre nach dem Schnellfeuer-Finale etwas Besinnliches schön gewesen – Radulovic musste jedoch jetzt erst recht den Teufelsgeiger herauskehren.

Umgekehrte Vorzeichen nach der Pause: War zuletzt vielleicht etwas zu viel Feuer im Spiel gewesen, hätte die 7. Symphonie von Antonín Dvorák mehr davon vertragen. Gar zu betulich breitete Kamensek die gefühlvolle Musik aus und ließ erst im Finale die Zügel etwas lockerer.

Von Jörg Worat