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Kultur Einfachheit entwickelt mit der Zeit spezielle Präsenz
Weltgeschehen Kultur Einfachheit entwickelt mit der Zeit spezielle Präsenz
17:23 16.03.2017
Reiner Wagners Ölgemälde „Schwarzenberg“ ist in der Galerie Koch in Hannover zu sehen. Quelle: Galerie Koch
Hannover

„Ich versuche, die Dinge so reduziert wie möglich zu gestalten“, sagt Wagner. „Bis ich an eine Grenze komme – dann setze ich neu an.“ Diese vermeintliche Einfachheit wirkt auf den ersten Blick wenig spektakulär, entwickelt aber mit der Zeit eine ganz spezielle Präsenz. Die stets menschenleeren Landschaftsbilder, die den größten Teil der Schau bilden, zeigen gleich bleibende Grundmotive, Wege, Häuser, Bäume, Himmelsausschnitte, mal Berg- und mal Wasserwelten. Je nachdem, in welchem der beiden Wohnorte Wagners sie entstanden sind, in der Gegend um den Starnberger See oder auf Korsika, kann sich die Lichtgestaltung spürbar verändern.

Bei alledem entsteht ein hoher Wiedererkennungswert, der gleichwohl nicht in die Eintönigkeit driftet. Das liegt zum einen am raffinierten Umgang mit den formalen Mitteln, etwa am ausgewogenen Verhältnis der Farben, in denen ein rotes Dach durchaus schon mal einen kräftigen Akzent bilden kann, aber auch an einer eigenwilligen Bildaufteilung – Nähe und Ferne stehen in einer delikaten Balance, und die eigentlichen Konzentrationspunkte werden zuweilen voll aus dem Bildzentrum gerückt, lenken den Blick des Betrachters in die Randzonen der Darstellung.

Deren Eindringlichkeit hat sicherlich mit einer elementaren Symbolik zu tun, spricht man doch nicht ohne Grund vom Lebensweg, und ist das Haus doch seit jeher der Inbegriff des Schutzraums, des Behütetseins. Wagner stimmt solchen Deutungen zu: „Es ist zum Beispiel ein großer Unterschied, ob der Weg ins Haus führt oder daran vorbei.“

Eine zweite Werkgruppe umfasst Stillleben, die ähnlich unaufdringlich daherkommen wie die Landschaften. Sie können einen Farbtopf zeigen oder die aufgehängte Jacke des Malers, und Wagner bekennt sich dazu, diese Szenerien aus dem Moment zu entwickeln: „Das sind Motive, auf die ich einfach stoße. Es wäre nicht meine Sache, jede Falte in einem Stück Stoff zu drapieren.“

Reiner Wagner ist in Hildesheim als Sohn eines Musikers geboren, und so mag es kein Zufall sein, dass das Gespräch irgendwann in das Reich der Klänge driftet: Doch, beim Malen höre er gern Musik, sagt der Künstler und nennt einen breit gefächerten Favoritenkatalog, der Klassik ebenso umfasst wie Jazz oder Gianna Nannini („Die kann so schön ordinär sein“). Und welche Kompositionen haben vorwiegend die Werke in der neuen Schau inspiriert? Ein kurzer Rundumblick: „Da ist schon eine Menge Bach und Händel dabei.“

Von Jörg Worat