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Kultur Einzelausstellung des französischen Künstlers Jean-Luc Moulène
Weltgeschehen Kultur Einzelausstellung des französischen Künstlers Jean-Luc Moulène
19:00 03.02.2015
Hannover

Die künstlerische Arbeit des 1955 in Paris Geborenen lebt vorrangig von seinem außergewöhnlichen Gespür für Zwischenwelten im Alltag, mit der Transparenz plastischer, philosophischer und visueller Konzepte. Schon die ersten Arbeiten Molènes in den 80er Jahren zeugen von seinem Bewusstsein für die Poesie des Alltags, wie etwa die fotografischen Analysen unserer Welt in der Serie der „Disjonctions“ (1984–1995) mit den Fragen über unsere Wahrnehmung von Mensch, Landschaft und Objekt.

Einfache Stimmungsbilder, sorgsam beobachtet, werden zu Dokumenten. Und die neu entstandene Fotoserie von 2014, erstmals in Hannover präsent, bildet sogleich den Leitfaden des Parcours für den Besucher. Moulène sammelte Gummimasken von Karikaturen Prominenter, die er mit Beton ausgoss und dann zu Skulpturen ausarbeitete. Fotografien dieser Betonköpfe mit Titeln wie „Docker“, Monkeys“ oder „Moonface“ tauchen in der Ausstellung immer wieder auf, mit einem inhaltlichen Gegenüber von Zeichnungen wie „Têtes expertes“.

Moulène interpretiert, selbst davon fasziniert, den menschlichen Körper als ein Lesebuch, schildert Personen umgeben von einer besonderen Atmosphäre: Zeitzeugen, Repräsentanten oder auch Spurenträger. Völlig aus dem „Rahmen“ scheinen zunächst die U-Boot-Analysen: Der Künstler hat sich in den 80er Jahren an der Entwicklung dieser Modelle für die Firma Thomson beteiligt, gewissermaßen im Sinne einer Erweiterung der industriellen Formensprachen. Zu sehen auch seine bekannteste Arbeit „Objets de grève“ (1999–2000). Dabei handelt es sich um Farbfotografien spezifischer Produkte, die von streikenden Arbeitern hergestellt wurden und die durch das veränderte Erscheinungsbild auf die Streikenden aufmerksam machen. Mit einer politischen Brisanz widmet sich der Künstler auch in der Serie „Produits de Palestine“ dem dortigen Markt, den zugelassenen Produkten des alltäglichen Lebens.

Letztlich überraschen auch die skulpturalen Arbeiten des Künstler wie etwa die Bronze- oder Glasplastiken der Reihe „Blown Knots“, „Nœuds“, die organischen, floralen Gebilden ähneln. Es sind Abdrücke von Seilknoten, deren Negativform ausgegossen wurde. Vieles könnte man noch vorstellen, das aber ersetzt nicht die persönliche Begegnung. Die Ausstellung: Ein Kompliment an die neue Direktorin!

Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist im Kunstverein Hannover, Sophienstraße 2, bis zum 1. März zu sehen. Dienstags bis samstags von 12 bis 19 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 19.00 Uhr.

Von Klaus Zimmer