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Kultur Ensemble „musica assoluta“ zeigt bei jüngstem Auftritt Mut zum Risiko
Weltgeschehen Kultur Ensemble „musica assoluta“ zeigt bei jüngstem Auftritt Mut zum Risiko
12:27 27.11.2017
Thorsten Encke Quelle: Michael Neugebauer
Hannover

Als Veranstaltungsort diente das Alte Magazin, das üblicherweise eher vom freien Theater bespielt wird. Gleichwohl schien die Wahl nachvollziehbar, weil die Akustik hier so schlecht nicht ist und außerdem ja mit Igor Strawinskys „L’Historie du Soldat“ ein musiktheatrales Ereignis im Zentrum des Programms stand.

Zunächst aber durfte sich Posaunist Mikael Rudolfsson austoben, der in „Incipit 2“ von Johannes Maria Staud zusätzlich eine Fußtrommel zum Einsatz brachte. Da gab es zweifellos einige interessante Klangfarben; die Zischlaute und anderen vokalen Beiträge, die hier vom Solisten gefordert sind, rückten das Stück allerdings doch in Richtung „Neue-Musik“-Klischees. Unter dem Strich erinnerte der Auftritt ein wenig an einen sanft durchgeknallten Straßenmusiker.

Anschließend schlug mit Strawinskys sonderbarer Geschichte um einen Soldaten, der dem Teufel begegnet, die große Stunde des Schauspielers Götz van Ooyen. Er verkörperte sämtliche Figuren, und er verkörperte sie drastisch: Der Soldat war sehr tumb, der Teufel sehr teuflisch, der König sehr grenzdebil – kurz, hier wurde auch dann mächtig auf die Tube gedrückt, wenn vielleicht etwas mehr Zurückhaltung größere Wirkung erzielt hätte. Was zu beweisen war: So gehörte der Zeitlupen-Tanz des Teufels zu den Höhepunkten, desgleichen die Szene, in der van Ooyen Soldat und Prinzessin in Personalunion darstellte, sich mit dem Rücken zum Publikum gleichsam selbst umarmte.

Zuviel in der Darstellung, zuwenig in der musikalischen Umsetzung: Ungewohnt spröde und nicht immer sauber agierte das Septett der Instrumentalisten unter Enckes Leitung. Die große Ausnahme bildete das zupackende Spiel der Violinistin Kana Sugimura, die allerdings auch mit einigem Abstand die reizvollsten Parts zu übernehmen hatte.

Möglicherweise minderte das gewöhnungsbedürftige Umfeld die Inspiration; jedenfalls mag es irritiert haben, dass einzelne Besucher während des Vortrags laut zu sprechen begannen. So merkwürdig wie der gesamte Abend fielen auch die Reaktionen am Schluss aus: Hier schien man sich vor Begeisterung gar nicht mehr einkriegen zu wollen, dort schaute man eher griesgrämig drein. Nun ja, beim nächsten Mal kann alles wieder ganz anders werden.

Von Jörg Worat