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Kultur Erfolgreicher Abschluss der Musikwoche in Hitzacker
Weltgeschehen Kultur Erfolgreicher Abschluss der Musikwoche in Hitzacker
20:31 17.03.2015
Ludwig - Güttler Quelle: Sebastian Kahnert
Hitzacker

Zum Schluss sollte noch einmal, nach einem Verabschiedungskonzert für Ludwig Güttler mit reichlichen Worten, ausschließlich die Musik sprechen. Ludwig Güttlers letztes Konzert in Hitzacker nach 29 Jahren „Musikwoche Hitzacker“ sollte ein Zentralwerk der Musikgeschichte zu Gehör bringen, die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach.

In diesem Werk hat Bach Höhepunkte seines kontrapunktischen Schaffens für Chor und Orchester noch einmal in einen neuen Zusammenhang gestellt, manches ältere Stück dafür bearbeitet, anderes auch neu geschrieben. All diesen Stücken gemein ist eine ungemeine Kunstfertigkeit der Komposition, weshalb das Stück als Ganzes als ein kompositionstechnisches Meisterwerk gilt, das wie geschaffen scheint für eine solche Gelegenheit wie die letzten Tage des Güttler-Festivals in Hitzacker. Und Güttler hat dieses Werk auch bisher noch nie als Ganzes dirigiert, hat sich dieses Werk selbst aufgespart für einen solch besonderen Moment. Der war nun gekommen, und das Publikum in der bis auf den letzten Platz voll besetzten Kirche in Hitzacker war spürbar gespannt. Die Erwartungen waren hoch.

Natürlich wurden sowohl das Orchester, die „Virtuosi Saxoniae“, als auch der Chor, das „Sächsische Vokalensemble“ unter Matthias Jung, sowie die Solisten an diesem letzten Festivaltag besonders herzlich begrüßt, bevor die Musik anhob: Sehr konzentriert und fokussiert musizierte man. Die Streicher konnten besonders gefallen, was insofern bemerkenswert ist, als gerade dieser Teil des Orchesters in den letzten Jahren immer wieder durch ein Zuviel an Routine für zwar saubere, aber wenig musikalisch durchgestaltete Abläufe sorgte. Jedoch konnte man sich speziell im ersten Teil des extrem langen Stücks des Eindrucks nicht erwehren, dass Güttler ein wenig das Gespür für das natürliche Fließen dieser Musik, insbesondere für die richtigen Tempi fehlte. Vor lauter Anstrengung, alles richtig zu machen, verlor diese Musik hier zunächst ihr natürliches Atmen. Auch stimmte die Klangbalance zwischen manchmal doch etwas stimmschwachem Chor und gerne etwas zu lautem Orchester (Trompeten) nicht immer. Ja, sogar Unsicherheiten im doch eigentlich als exzellent bekannten Chor waren nicht immer zu überhören.

Das Orchester phrasierte und artikulierte zwar weitgehend äußerst plastisch und sinnfällig, aber der Chor ordnete sich eher ein, als dass er als zweiter Hauptträger des musikalischen Geschehens wahrgenommen wurde. Auch entstand zunächst kein großer oder weiter Spannungsbogen. So wurde aus weit mehr als eine Stunde dieser h-Moll-Messe eher eine lange Zeit, bevor ab dem „Resurrexit“, ab dem Moment, wo Güttler einmal in der Tempowahl mutiger, weil schneller wurde, Zug in die Aufführung kam. Als kurz darauf in der wunderbaren Alt-Arie, sehr gut gesungen von Marie Henriette Reinhold, Güttler ein äußerst langsames Tempo wählte und das vollkommen stimmig wirkte, da entwickelte sich diese Wiedergabe doch noch in eine beeindruckende Richtung. Letztlich war es ein überzeugender Abschluss des Festivals, ja von 29 Festivals.

Von Reinald Hanke